Grund: Chatpartnerin wies Avancen des Angeklagten zurück

Prozess in Schwalmstadt: 19-Jähriger beleidigte Frau im Internet

Schwalmstadt. Wegen Beleidigung seiner Chatpartnerin musste sich ein 19-jähriger Mann aus dem Altkreis Ziegenhain vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt verantworten.

Trotz Volljährigkeit wirkte der Mann kindlich naiv und sorgte bereits bei der Angabe seiner Personalien für erstaunte Gesichter. Er könne zwar sein Geburtsdatum sagen, wisse aber nicht, in welchem Ort er geboren sei. In seinem Plädoyer kam der Staatsanwalt noch einmal auf die Kuriosität zu sprechen „Ich habe noch nie erlebt, dass das jemand nicht wusste.“

Laut Anklageschrift hatte der 19-Jährige im vergangenen Oktober eine Internetbekanntschaft mehrfach beim Chatten übelst beleidigt. Die in Bruchsal lebende Frau hatte den Chatverlauf ausgedruckt und den Mann angezeigt. Die Beleidigungen waren wohl die Folge von enttäuschter Liebe und Eifersucht. Denn die Frau hatte die Avancen des Schwälmers nicht erwidert.

Offensichtlich hatte der Mann mehr in den Kontakt hinein interpretiert, als tatsächlich vorhanden gewesen war. „Das Internet ist nicht anonym. Da hinterlässt man Spuren“, stellte der Staatsanwalt trocken fest.

Angesichts der klaren Beweislage gab der Angeklagte die Tat auch ohne Umschweife zu. Er habe die Frau bei einem Online-Spiel kennengelernt und sich mit ihr über einen längeren Zeitraum intensiv mittels des Messengers Line ausgetauscht. Im realen Leben seien sie sich aber nie begegnet.

Online-Spiele nahmen im Leben des Mannes einen großen Platz ein. In der Regel würde er bis 12 Uhr schlafen, dann fernsehen und zocken, schilderte er dem Gericht auf Nachfrage seinen Tagesablauf.

„Eine Woche geregelte Arbeit würde Ihnen mal gut tun“, kommentierte der Staatsanwalt und forderte in seinem Plädoyer Arbeitsstunden für die Tat. Das Gericht folgte dem Antrag und verurteilte den 19-Jährigen zu 35 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Quelle: HNA

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