Prozess um eine Serie von Tankstellen-Überfällen nähert sich nun dem Ende

Prozess um Tankstellen-Überfälle: Acht Jahre Haft gefordert

Kassel/Wabern/Felsberg. Im seit Ende Oktober laufenden Prozess um eine Serie von Tankstellen-Überfällen hat der Staatsanwalt am Freitag acht Jahre Haft für den 30-jährigen Angeklagten gefordert.

Er hielt es für erwiesen, dass der Kasseler zwischen Juli 2012 und Januar 2013, vermummt und mit einer „Scheinwaffe“ drohend, sieben Tankstellen im Raum Kassel, in Felsberg und Wabern überfallen habe.

Der 30-Jährige sei deshalb der siebenfachen schweren räuberischen Erpressung schuldig - einmal in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Schuldig sei er auch einer Widerstandshandlung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, weil er Pfefferspray gegen zwei Polizeibeamte einsetzte, die ihn kontrollierten.

Der Angeklagte hatte im Prozess nur die Widerstandshandlung und den letzten Überfall eingeräumt. Die übrigen Taten könne ein Bekannter begangen haben, mutmaßte er. Mit dem habe er Überfälle auf Tankstellen geplant und auch ein Depot mit der Waffe und mit Bekleidung angelegt.

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Von dieser Version hielt Staatsanwalt Jan Uekermann nichts. Die Indizien gegen den 30-Jährigen - der in der Tatkleidung und mit der Waffe in die Polizeikontrolle geraten war - verdichteten sich derart, dass keine Zweifel blieben, argumentierte er. Für einige Taten gebe es klare Motive - etwa für den ersten Überfall in Fuldatal.

Der Angeklagte habe mit einem Kumpel nach Mallorca fliegen wollen. Am Abend des 21. Juli 2012, kurz vor Abfahrt zum Flughafen, habe er Geld zurückzahlen müssen, das er sich für die Buchung geliehen habe. „Es bestand akuter Handlungsbedarf, Geld zu besorgen“, so Uekermann. „Und das tat der Angeklagte dann auch: Indem er die Aral-Tankstelle überfiel.“

Die Tatwaffe habe sich die Polizei auch auf dessen Facebook-Account ansehen können, erwähnte Uekermann. Das Profil dort zeige einen „nicht mehr ganz jungen Mann, der sich von pubertärem Gangstergehabe“ nicht gelöst habe. Die Überfallserie zeige einen ansteigenden Einsatz von krimineller Energie - bis zu „krasser“ körperlicher Gewalt beim letzten Überfall.

Vor dem Plädoyer hatte das Landgericht ein seit Monaten erwartetes Gutachten gehört. Eine Anthropologin sprach gut 45 Minuten lang, um mitzuteilen, dass auf den Überwachungsvideos der Tankstellen von den Körpermaßen des vermummten Täters oder der vermummten Täter sehr wenig zu erkennen sei. Diese Maße hatte sie - auf Antrag der Verteidigung - mit denen des Angeklagten vergleichen sollen. Dass der 30-Jährige der Vermummte sein könnte, schloss die Gutachterin nicht aus.

Das Plädoyer der Verteidigung und ein Urteil werden für den 21. Februar erwartet.

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

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