Prügel für Neonazi in Kneipe - Geldstrafe und Bewährung

Schwalmstadt. Weil ein junger Mann aus dem Altkreis Ziegenhain einen 22-jährigen Mann aus der rechten Szene im April in einer Schwalmstädter Musikkneipe geschlagen hatte, muss er eine Geldstrafe von 1500 Euro zahlen.

Wegen gefährlicher Körperverletzung ist der Angeklagte am Mittwoch vom Amtsgericht Schwalmstadt zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden – diese wurde zu zwei Jahren auf Bewährung ausgesetzt.

Obwohl der Angeklagte vor Gericht Reue zeigte, schilderten die Beteiligten zwei verschiedene Versionen des Vorfalls. Der Verurteilte sagte aus, dass er vor der Kneipe gestanden habe, als ihn das spätere Opfer und drei weitere Männer ansprachen.

Sie hätten wissen wollen, ob noch etwas in der Kneipe los sei. Er habe ihnen geantwortet, dass nicht mehr viel los sei. Daraufhin sei die Gruppe hineingegangen, um kurze Zeit später wieder nach draußen zu kommen. Dort habe der Geschädigte den Verurteilten beleidigt, geschubst und mit Pfefferspray attackiert.

Durch das Spray hätten die Augen des Angeklagten gebrannt und er habe deswegen blind mit den Fäusten ausgeholt und dabei den 22-Jährigen an der Schläfe getroffen. Kurz bevor die Polizei eintraf, soll der Geschlagene sich für seine Beleidigung entschuldigt haben.

Aus Sicht der Zeugen hat sich der Vorfall aber anders abgespielt. Alle drei Zeugen gaben an, in der Kneipe angefeindet worden zu sein. Die Gäste hätten ihnen zugerufen, dass Nazis nicht erwünscht seien.

Nasenbein gebrochen

Als die rechte Gruppe die Kneipe hätten verlassen wollen, habe der Angeklagte das Opfer von hinten angegriffen. Durch den Fausthieb sei es zu Boden gegangen und bewusstlos geworden. Als der 22-Jährige wieder zu sich kam, soll der Angeklagte auf ihn eingetreten haben – erst jetzt habe der Geschädigte zum Pfefferspray gegriffen. Durch einen Tritt ins Gesicht brach ihm der Angeklagte das Nasenbein. Als die Polizei kam, seien einige aus der rechten Gruppe weggelaufen, aus Angst man könne sie festnehmen.

Der Wirt sagte vor Gericht aus, dass er die vier Männer aus dem Lokal rausgeschmissen habe, um Auseinandersetzungen zu vermeiden. Daraufhin hätte er die Polizei gerufen. Nach Aussage eines Polizeibeamten seien fast alle Zeugen alkoholisiert gewesen.

Der Richter bezeichnete den verprügelten 22-Jährigen als naiv, wenn er glauben würde, dass es zu keinen Problemen komme, wenn er als Rechter in eine linke Szenekneipe gehe. Es sei schon oft vorgekommen, dass Rechte eine Runde in dieser Kneipe gedreht hätten, um zu provozieren. „Dieses Vorgehen hat Methode“, sagte der Richter. (red)

Quelle: HNA

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