Verfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung - Prügelszenen am Bahnhof

Treysa. Ohne Urteil endete die Verhandlung in einem Fall von vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Strafrichter am Amtsgericht Schwalmstadt.

Ein 38-jähriger Häftling der Justizvollzugsanstalt Hünfeld musste sich vor Gericht verantworten, weil er im Juli vergangenen Jahres einen 51-Jährigen aus dem Altkreis Ziegenhain geschlagen haben soll.

Die Anklage sei anfangs unter schwerem Raub gelaufen, weil der Angeklagte den Zeugen mit einem Messer bedroht und ihm ein Zigarettenetui aus Chrom mit Ledertasche abgenommen haben soll, erklärte der Richter. Angeklagter und Zeuge schilderten den Tathergang in zwei verschiedenen Versionen. Das Gericht fällte den Beschluss, das Verfahren an das Schöffengericht zu übergeben.

Der 38-jährige Angeklagte gab an, er habe an besagtem Abend mit seiner Reisetasche dösend in der Bahnhofshalle in Treysa gesessen und auf den Zug gewartet.

Eine Person habe die Halle betreten und die Mülleimer nach Leergut durchsucht. Die Person habe ihm seine Geldbörse aus der nicht verschlossenen rechten Brusttasche seiner Lederjacke gezogen. Daraufhin sei er dem weglaufenden Mann gefolgt. „Ich habe gerufen, er soll stehenbleiben“, berichtete der 38-Jährige. Der Mann sei weitergelaufen. Während der Verfolgung in Richtung Bahnhofstraße habe er sich an einer Treppe am Bein verletzt, den Mann letztendlich aber eingeholt. „Ich habe überreagiert und ihn zwei, dreimal geschlagen“, fuhr der Angeklagte fort. Der Mann habe auch ihn geschlagen. Er sei jedoch an seine Geldbörse gekommen und mit dieser gegangen. Dann sei die Polizei gekommen. In der Geldbörse habe nichts gefehlt. Das angeblich von ihm gestohlene Zigarettenetui sei sein eigenes. „Das hat mir meine Mutter geschenkt“, sagte der Angeklagte. Es habe im Bahnhof neben ihm gelegen.

Aus Sicht des 51-jährigen Zeugen ereigneten sich die Geschehnisse folgendermaßen: Auf dem Heimweg von Freunden habe er im Bahnhof nach Leergut gesucht. Die Geldbörse des Angeklagten habe neben ihm gelegen. Er habe einen Blick hineingeworfen, sie aber wieder hingelegt und den Bahnhof verlassen. Der Angeklagte sei hinter ihm her und habe ihn aufgefordert, die Geldbörse zurückzugeben. Er habe ihn geschlagen und ihm gedroht „Ich stech dich ab!“, ihn dann aber losgelassen. Das Zigarettenetui habe ihm der 38-Jährige aus der rechten Vordertasche seiner Stoffhose gezogen. Das Etui sei graviert. Er habe es von der Polizei zurückbekommen, sagte der Zeuge, und überließ es freiwillig dem Gericht.

Von einer Gravur sei bisher nichts bekannt gewesen, sagte der Richter. Es sei nicht klar, ob es sich um ein und dasselbe Zigarettenetui handele, entgegnete der Anwalt des Angeklagten. „Ich habe etwas Individuelles nicht in Erinnerung“, gab ein 49-jähriger Polizeibeamter im Hinblick auf die Untersuchung des Etuis bei dessen Sicherstellung an. Er habe auch keine Erinnerung daran, dass der 38-Jährige verletzt gewesen sei, sagte er, könne beides jedoch nicht ausschließen.

Auf denen dem Gericht vorliegenden Polizeifotos wies der Angeklagte erheblich stärkere Verletzungen als der Zeuge auf.

Quelle: HNA

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