Wartezeiten bei Psychiatern bis zu sechs Monate

Psychisch krank, aber kein Arzt hat Termine

Schwalm-Eder. Menschen mit einer psychischen Erkrankung müssen im Landkreis mehrere Wochen bis Monate auf einen Termin warten. Die Situation in der Region habe sich nicht entspannt, sagt Professor Michael Franz, ärztlicher Direktor des Vitos-Klinikums Kurhessen.

Vitos betreibt unter anderem die psychiatrische Tagesklinik in Melsungen. Notfallpatienten würden natürlich immer behandelt, Termine bei niedergelassenen Psychiatern beziehungsweise Therapeuten seien hingegen nur mit langem Vorlauf zu bekommen.

Das bestätigt auch Dr. Achim Bäcker, Leiter der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie an der Hephata-Klinik in Schwalmstadt. An beide Tageskliniken sind Institutsambulanzen angegliedert, die eigentlich für Patienten mit schweren Krankheitsbildern Tag und Nacht zur Verfügung stehen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) wolle nur die schweren Fälle an den Kliniken und Ambulanzen. Sie verschärfe das Problem mit dieser Entscheidung, sagt Bäcker. Die akutpsychiatrische Allgemeinversorgung in den Ambulanzen sei wegen der Vergütungssysteme teurer.

Aber: Den Patienten bleibe oft keine andere Möglichkeit, als sich an die Institutsambulanzen zu wenden, sagt Bäcker. Denn wenn die Wartezeit bei einem niedergelassenen Therapeuten bis zu sechs Monate betrage, bestehe die Chance, dass sich die Krankheit verschlimmere und die Betroffenen zu vollstationären Patienten werden. „Wir müssen die Zahl der Behandler erhöhen und die Ausbildung reformieren“, lauten die Forderungen von Bäcker.

Das Problem ist beim hessischen Sozialministerium bekannt: Patienten sollten sich bei langen Wartezeiten direkt an die KVH wenden, sagt Sprecherin Esther Walter. Über eine Reform der Ausbildung werde bei Bund und Land diskutiert.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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