Betroffene warten oft Monate auf Behandlungsplätze

Psychotherapie-Plätze sind Mangelware

Wolfhagen. Die Zahl psychischer Erkrankungen in Deutschland steigt rasant, die Wartelisten für Therapie-Plätze werden länger. Patienten werden im Schnitt erst nach 80 Tagen erstmals behandelt - für viele eine unzumutbare Belastung.

„Der Grund für die Unterversorgung an freien Therapie-Plätzen liegt an der Bedarfsplanung“, erklärt der Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Karl Matthias Roth.

Die Bedarfsplanung regelt die Anzahl der Kassensitze für Psychotherapeuten: Im Altkreis Wolfhagen - mit einer Gesamteinwohnerzahl von 28 562 - gibt es derzeit einen niedergelassenen psychologischen Psychotherapeuten, einen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten sowie einen Facharzt für Psychiatrie. „Auch wenn das auf den ersten Blick wenig wirkt, stellt sich die Versorgung im Altkreis unter Berücksichtigung der Verhältniszahl gut dar“, meint Roth.

Wie hoch der Bedarf an Psychotherapeuten in Deutschland ist, basierte bis Anfang des Jahres auf dem Psychotherapeutengesetz von 1999. Mit der gesetzlich vorgeschriebenen Bedarfsplanung soll eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Ärzte und Psychotherapeuten erreicht werden. Hierzu wird festgelegt, wie viele Ärzte und Psychotherapeuten in einem räumlichen Bereich jeweils für eine bestimmte Bevölkerungsanzahl zur Verfügung stehen sollen.

„Inzwischen wurden die Verhältniszahlen bundesweit neu definiert und die Zahl der Psychotherapeuten erhöht“, erklärt der Pressesprecher. „Neue Zulassungsmöglichkeiten haben sich durch die im Januar aktualisierte Bedarfsplanung im Altkreis Wolfhagen nicht ergeben“, schildert Roth. Denn in Hessen sei kein Bedarf an zusätzlichen Stellen. „Diese Sichtweise wird durch diverse Urteile von Landessozialgerichten gestützt, in der beispielsweise Wartezeiten von drei Monaten als zumutbar angesehen werden.“

Quelle: HNA

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