Aus der früheren Buchhalterin Ingeborg Zinn wurde eine erfolgreiche Malerin

Punkt, Komma, Strich

Immer am Pinsel: Künstlerin Ingeborg Zinn hat schon über 800 Bilder gemalt. Foto:  Kling

Mörshausen. Erst als sie begonnen hat zu malen, merkte Ingeborg Zinn, dass ihr ganzes Leben etwas gefehlt hat. Es fing alles mit einem Bild für ihre Wohnung an. Die Buchhalterin suchte 2006 verzweifelt nach einem Gemälde, das zu ihrer Einrichtung passt, doch sie fand nichts, was ihr gefiel. Daraufhin kaufte sie sich eine Leinwand und etwas Farbe und fing selbst an zu malen. „Da bin ich dann voll in der Kunst aufgegangen,“ sagt die 56-Jährige.

Für ihre Kunst hat Zinn 2007 ihren Beruf als Buchhalterin aufgegeben und ist seitdem sehr fleißig. „Mitterweile habe ich 800 oder 900 Bilder. Ich habe etwas den Überblick verloren. Mein ganzes Haus, mein Keller und mein Garten – alles ist eine große Galerie.“

Durchbruch kam 2010

Ihren Durchbruch schaffte sie 2010, als sie eine Anfrage von der Nordseeinsel Borkum erhielt, um dort eine Ausstellung mit 64 Bildern zu zeigen. „Damals hatte ich nur 40 Bilder fertig und musste innerhalb von zwei Wochen noch 24 Stück malen. Das war ein ganz schöner Stress, aber ich wusste, dass ich es schaffe.“ Mittlerweile hat sie neben Borkum auch in Dresden und Paris ausgestellt und eine Anfrage aus Shanghai. Die Kunst gebe ihr die Möglichkeit, ihre Gefühle auf die Bilder zu projizieren, sagt die Künstlerin. Ihre Ideen für neue Kunstwerke hole sie aus dem Alltag. „Ich lasse viele emotionale Dinge und aktuelle Begebenheiten mit einfließen.“

Nie Kurse besucht

Kurse, um sich und ihre Kunst weiterzuentwickeln, hat sie nie besucht. „Ich war 37 Jahre lang Buchhalterin und hatte einfach keine Lust mehr, mir von jemandem erklären zu lassen, wie ich etwas zu tun habe.“

Mittlerweile hat sie sich in der Kunstszene einen so großen Ruf erarbeitet, dass sogar Kunstgruppen Ausflüge zu ihr machen. Eine Malschule aus Altenstadt, die auf Malurlaub in Nordhessen war, besuchte die Mörshausenerin, um sie und ihre Werke kennenzulernen.

Brigitte van Loh-Wenzel, Leiterin der Malschule, war sehr begeistert von Ingeborg Zinn und ihrer Arbeit. „Sie ist sehr kreativ und vielseitig. Sie ist nicht beschränkt auf eine Technik, sondern malt unter anderem mit Öl, Pastell oder Acryl.“ Dies war auch einer der Gründe, weshalb sich die Malschule für die 56-Jährige entschieden hat.

Zurzeit arbeitet sie an einem Projekt zum Thema Märchen für das Grimmjahr. Worum es dabei genau geht, wollte sie allerdings noch nicht verraten. Das werde eine Überraschung.

Von Benjamin Kling

Quelle: HNA

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