Marionettenbühne Wernswig spielt das Märchen von den Brüdern Grimm

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Puppenbühne: Puppenspielerinnen, Regisseurin, Autor und Hauptakteure von links Anette Schneider, Doris Genuit, Gitta Bartl, Beate Schröder, Tobias Maus und Christiane Kunz mit Schneider und Goldesel in der Tischlein deck dich-Kulisse.

Wernswig. „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt, mäh, mäh“. Wer kennt ihn nicht, den Spruch der verräterischen Ziege, die mit ihren Verleumdungen dafür sorgt, dass ein Schneider seine drei Söhne aus dem Haus jagt.

Das ist die Ausgangsposition des Grimmschen Märchens „Tischlein deck Dich“, das die Puppenbühne Marionettentheater Wernswig in dieser Spielzeit präsentiert. Neben den bezaubernden Menschenfiguren an den Fäden sorgen das sich selbst deckende Zaubertischchen, der Goldesel und der Knüppel aus dem Sack sowie der eigens ins Stück geschriebene Märchenigel Ernst, genannt Ernie, für kurzweilige Unterhaltung.

Die Bühnenfassung des Märchens schrieb erstmals ein Vereinsmitglied selbst - und zwar der jüngste Spross der Puppenspieler-Familie: Seit der 17jährige Tobias Maus aus Wiera vor vier Jahren dem Wernswiger Ensemble beitrat, ist er vom Marionetten-Virus infiziert und ließ bereits in diversen Stücken selbst die Puppen tanzen.

Nun betätigte er sich nicht nur als Autor, sondern zusätzlich als Komponist: Er stellte nämlich auch die Musik für das Stück zusammen - und wo sich nichts Passendes fand, da komponierte er kurzerhand selbst. Das alles habe recht viel Zeit gekostet, beteuert er. Zeit, die ihm angesichts der bevorstehenden Abiturprüfung am Schwalmgymnasium nicht gerade üppig zur Verfügung steht. Doch auch dort hat er sein Hobby thematisch eingebracht: Die Hausarbeit im Fach Geschichte schreibt er über das Puppenspiel im Nationalsozialismus.

Ob ihm während des folgenden Lehramtsstudiums noch Zeit für sein Hobby bleibe, könne er nicht absehen. So habe er vorsorglich das nächste Weihnachtsmärchen der Puppenbühne bereits in Arbeit, betonte der junge Autor augenzwinkernd.

Die von Tobias passgenau zugeschnittene und kostenfrei bereitgestellte Bühnenfassung erspare dem Verein den Ankauf teurer Aufführungsrechte. Dies sei ein ebensolcher Glücksfall wie die Unterstützung des Vereins durch diverse Sponsoren, beteuerte Vereinsvorsitzender Udo Schröder. Die Puppenbühne wiederum revanchiert sich für die Zuwendungen durch soziales Engagement in Form mehrerer Gratis-Aufführungen pro Saison für behinderte Menschen sowie dauerhaft günstiger Eintrittspreise.

So haben auch in der diesjährigen Weihnachtszeit wieder viele Menschen Gelegenheit, in die faszinierende (Märchen)Welt des Puppenspiels einzutauchen.

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

Quelle: HNA

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