Quadfahrer starb bei Unfall - Gericht verurteilte Fahrer

Fritzlar. Eine Strafe von acht Monaten Gefängnis verhängte das Fritzlarer Amtsgericht am Dienstag gegen einen jungen Mann, auf dessen Gewissen für immer der Tod eines Menschen lasten wird.

An einem dunklen Dezembermorgen im Jahre 2014 fuhr der Verurteilte mit seinem Auto zu seinem Ausbildungsort als Zimmermann. Es nieselte. In einer langgezogenen Kurve setzte er zum Überholen an.

Unerwartet kam ihm über die Kuppe der Straße ein Quad entgegen. Ein Ausweichen war unmöglich. Die Fahrzeuge krachten frontal zusammen. Der Quadfahrer verstarb noch an Unfallstelle. Es war kurz vor Weihnachten und zudem noch der Geburtstag des Opfers.

Dessen Vater saß nun neben der Anwältin im Gerichtssaal, die Mutter war vor dem Saal umgekehrt. Sie ertrug die Situation nicht. Als Zuschauer waren von beiden Seiten die Angehörigen gekommen.

Die Richterin entschuldigte sich für die scheinbare Zuwendung zum Angeklagten. Sie müsse mit ihm reden, da es sein Prozess sei.

Nie zuvor sei er straffällig gewesen. Inzwischen habe er die Lehre abgeschlossen. Der Chef übernahm ihn auch ohne Führerschein. Das sei zwar die Bedingung für eine Anstellung gewesen, doch er wolle das Leid nicht vergrößern.

Nach dem Unfall trennte sich die Freundin. Er begann eine Therapie. Noch immer zahlt er seinen Wagen ab. Er hatte ihn damals gerade neu auf Kredit gekauft. „Warum haben Sie sich nie entschuldigt?“, fragte die Rechtsanwältin.

Mehrfach habe er versucht, einen Brief zu schreiben, schilderte der Angeklagte. Die Angst vor der Reaktion der Betroffenen ließ das Vorhaben scheitern. Jetzt wolle er versuchen, der Mutter zu schreiben. Ihm wurde verdeutlicht, wie ein solcher Brief etwas Trost bringen könnte.

Obwohl die Verhandlung keine Stunde dauerte, gab es immer wieder längere Momente, in denen alle Beteiligten schwiegen. Die Richterin und beide anwaltlichen Vertretungen stimmten im wesentlichen dem Antrag der Staatsanwältin zu.

Die Strafe wurde auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. 1500 Euro Schmerzensgeld muss in Raten gezahlt werden.

2014 gab es in Deutschland 3368 Verkehrstote.

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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