Quartier in Gudensberg hat sich etabliert

Kommunikations- und Familienzentrum fördert seit fünf Jahren den Zusammenhalt

+
Sie gehören alle zur Quartier-Familie: Seit etlichen Monaten führt Marco Plass (rechts vorn sitzend) das Familien- und Kommunikationszentrum in Gudensberg. Bistro und Veranstaltungsräume werden von verschiedenen Gruppen genutzt. Foto: ula

Gudensberg. Das Quartier in Gudensberg ist ein echter Tausendsassa: Im Obergeschoss zeigen Künstler aus der Region ihre Werke, mittendrin gibt es Räume für Nachhilfe und Beratung, ganz unten lockt das Bistro mit leckeren und preiswerten Mittagessen.

Einmal in der Woche bietet das Ehrenamts-Café tolle Kuchen, Kinder können kreativ werden in Kursen, mit der Volkshochschule lernt man Sprachen, immer wieder laden Konzerte und eine offene Bühne („Open Stage") zum Besuch ein. Das war nur eine Auswahl all dessen, was das Kommunikations- und Familienzentrum oder kurz: Quartier, in Gudensberg alles anbietet, veranstaltet, ermöglicht. „Wir sind halt ein offenes Haus für alle“, sagt Geschäftsführer Marco Plass und lächelt.

Nach fünf Jahren ist das Zentrum in Gudensberg angekommen. „Wir sind gewollt und etabliert“, resümiert Jochem Hamacher, der mit dem Verband sozialpädagogischer Kleingruppen als Träger des Hauses fungiert und 2009 die Einrichtung ins Leben rief.

In einer Gesellschaft, in der die Vereinzelung fortschreitet und der soziale Zusammenhalt gefährdet ist, traten die Initiatoren damals mit einem Konzept für ein Zentrum an, in dem für alle Schichten der Bevölkerung etwas angeboten wird. Wer Ideen hat, kann dort selbst etwas anbieten; und für ganz verschiedene Interessengruppen gibt es Veranstaltungen, die man besuchen kann.

Auch wenn es den hauptamtlichen Leiter gibt ( mit einer halben Stelle), eine Bürgerarbeits-Stelle (gefördert) und eine Reinigungskraft: Die meiste Arbeit im Quartier erledigen ehrenamtliche Mitarbeiter. Das betrifft das Café und die Krabbelgruppe, das Alleinerziehenden-Frühstück und die Ehrenamts-Börse.

Außerdem gelingt die Finanzierung durch eigene Einnahmen immer besser. „das Bistro läuft, wir vermieten Räume an Nutzer und erzielen Einnahmen durch Veranstaltungen“, zählt Marco Plass auf. Gerade im Gesundheitsbereich gibt es immer mehr Angebote, etwa Yoga-Kurse. Nach den Sommerferien soll ein Café Klapperstorch eingerichtet werden, und wer möchte, kann sich weiterbilden und qualifizieren, ob als Babysitter, Ehrenamts-Mitarbeiter oder bei der Nachbarschaftshilfe „Menschen für Gudensberg“.

Trotz vieler Nutzer und großer Anerkennung im Ort wird es künftig schwierig werden, das Angebotsniveau zu halten oder gar auszubauen. „Ohne Zuschüsse aus den verschiedenen Fördertöpfen fehlt uns das Geld“, sagt Hamacher. Sollte die Förderung durch das Land Ende des Jahres ersatzlos gestrichen werden, seien solche Familienzentren gefährdet.

„Sie sind eigentlich die Zukunft in den Kommunen, werden aber politisch in Hessen nicht ausreichend unterstützt“, kritisiert er.

„Dem Land Hessen ist es wichtig, die Familienzentren weiter zu unterstützen.“ Das schreibt Mareike Schmidt, Sprecherin des hessischen Sozialministeriums, auf HNA-Anfrage. Für die Mehrgenerationenhäuser habe sich Hessen, auch zusammen mit anderen Bundesländern, dafür stark gemacht, dass die Förderung durch den Bund weiter laufe, heißt es weiter.

Die Förderung von Familienzentren richtet sich laut Ministerium in Hessen nach den Fach- und Fördergrundsätzen zur Etablierung von Familienzentren. Danach beträgt der Zuschuss für eine Einrichtung pro Jahr bis zu 12 000 Euro. Eine Förderung ist nach den Fach- und Fördergrundsätzen in der Regel für die Dauer von maximal drei bis fünf Jahren vorgesehen. Das Programm sei bisher nicht befristet, jedoch die Fach- und Fördergrundsätze vorerst bis Ende 2016.

Grundsätzlich könnten Mehrgenerationenhäuser oder auch Familienzentren weitere Förderungen erhalten, etwa durch die Kommune. Für beide sei es wichtig, die Finanzierung auf eine breite Grundlage zu stellen, betont die Ministeriumssprecherin. Häufig hätten die Kommunen den Mehrwert dieser Einrichtungen für den Sozialraum erkannt und schätzten den frühen Zugang zu Familien. Familienzentren böten für jede Kommune einen Standortvorteil, da Familien unterstützt, begleitet und beraten würden.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

Kommentare