Querschnittsgelähmte Astrid Griesel sucht dringend Assistenten

Auf Hilfe angewiesen: Astrid Griesel. Foto:  Hoffmann

Altendorf. Es gibt Momente, in denen ihr nur noch zum Heulen zumute ist. Wenn die Schmerzen nicht mehr auszuhalten sind, sie sich in ihrem Körper gefangen fühlt. Hilflos, verzweifelt, fix und fertig.

In einem großen Mäuseloch würde sie dann am liebsten verschwinden. Nichts mehr hören, nichts mehr sehen und vor allem nicht mehr über ihr Schicksal nachdenken müssen. Astrid Griesel ist querschnittsgelähmt, seit 33 Jahren.

19 Jahre war sie alt, als sie mit dem Motorrad zwischen Wolfhagen und Bad Arolsen verunglückte. „Was passiert ist, daran kann ich mich nicht mehr erinnern“, sagt sie mit leiser Stimme. „Ich weiß nur noch, dass ich drei Tage nach dem Unfall in einem Frankfurter Krankenhaus aufgewacht bin.“ 13 Monate hat sie dort verbracht, eine Zeit, in der sie vieles neu lernen musste, auch den Umgang mit ihrer Erkrankung. „Irgendwann dämmerte es mir, dass nichts mehr so sein würde wie früher.“

Kontakt zum Verein fab 

Interessenten, die sich eine Tätigkeit als Assistent bei Astrid Griesel vorstellen können, wenden sich an den Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab) in Kassel: Telefon 0561/ 728 85 0 oder www.fab-kassel.de.

Im Leben der gelernte Informationselektronikerin war plötzlich alles anders. Jede Bewegung. Jeder Handgriff. Jeder Gedanke. Jede Bewegung. Alltägliche Dinge wurden zur Herausforderung. Das morgendliche Aufstehen, das abendliche Zubettgehen, all die für andere selbstverständlichen Dinge zwischendrin, von der Dusche bis zum Arztbesuch. „Ohne meine Familie hätte ich das alles nicht geschafft“, sagt Griesel, deren Beschwerden mit der Zeit immer schlimmer wurden, was mittlerweile auch eine intensivere Umsorgung bedarf. „Ich kann fast nichts mehr allein machen, bin auf eine 24-Stunden-Versorgung angewiesen, meine Mutter schafft das mit ihren 81 Jahren einfach nicht mehr.“

Und genau da liegt das Problem, an dem sie derzeit fast verzweifelt. Zwar hat die 52-Jährige Menschen, die sie im Alltag unterstützen, doch die reichen nicht aus. Zwei Vollzeitassistenten weiß sie an ihrer Seite, vier bis fünf müssten es eigentlich sein. „Tagsüber bin ich relativ gut versorgt, nachts sieht das aber ganz anders aus.“ Ihr Tag müsse dann enden, wenn noch einer der Assistenten bei ihr sei. „Das ist ganz schön frustrierend, aber allein schaffe ich es nicht ins Bett“, sagt sie. Auch tagsüber wünscht sie sich mehr Hilfe, die 450-Euro-Kräfte allein könnten nicht alles auffangen.

Seit gut zwei Jahren unterstützt sie der Kasseler Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter bei der Suche nach geeigneten Assistenten, bislang mit wenig Erfolg. Sie suche Menschen, die ihr bei den alltäglichen Dingen zur Hand gehen - und zwar dann, wenn sie es gerade brauche. Gutgemeinte Ratschläge will sie nicht. „Nach 33 Jahren im Rollstuhl weiß ich selbst am besten, was gut für mich ist.“

Eine einzige Sache sei ihr wichtig, nämlich sich blind verlassen zu können auf ihre Assistenten, die zwar jederzeit präsent, sich nicht aber in der Vordergrund drängen sollten. Nur so sieht sie einen Funken Hoffnung, um den Kopf frei zu bekommen und wieder einmal Momente ohne Sorgen und Probleme genießen zu können.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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