Nazis führten Julius Heilbronn aus Homberg mit Schild um den Hals durch die Stadt

Die Rache der Schergen

Von der Familie Heilbronn blieben nur drei Stolpersteine: Sie erinnern in der Homberger Webergasse an Julius Heilbronn, seine Schwester Frieda und seine Mutter Minna. Foto: privat

hOMBERG. Julius Heilbronn gehörte zu den Hombergern, die ganz massiv unter der NS-Herrschaft leiden mussten. Denn einige von Hitlers Schergen hatten noch eine alte Rechnung mit ihm offen: Julius Heilbronn sollte sie vor der Machtübernahme bei der Schutzpolizei als Nationalsozialisten angeschwärzt haben. Deren Bewerbung bei der Polizei war daraufhin erfolglos.

Die Rache folgte 1933 und war grausam: „Die beiden abgelehnten Bewerber holten Julius aus der Wohnung, gaben ihm ein Schild zu tragen und führten ihn durch Hombergs Straßen - begleitet von vielen Jugendlichen“. Auf dem Schild stand: „Ich habe veranlasst, dass deutsche Jugend nicht zur Schupo kann“.

Das traf Heilbronn, der im Ersten Weltkrieg durch einen Gasangriff schwer verwundet worden war, hart. Doch es war noch lange nicht das Ende der Demütigungen. 1937, so die Recherche des verstorbenen Homberger Historikers Friedrich Dreytza, wurde Julius Heilbronn auf offener Straße von zwei SS-Männern als „Saujude“ beschimpft.

Starke Persönlichkeit

Da er genau wie sein Vater eine starke Persönlichkeit besaß und 1934 zudem mit dem „Ehrenkreuz der Frontkämpfer“ ausgezeichnet worden war, wehrte er sich. Heilbronn ließ sich die Beleidigung nicht gefallen und zeigte die beiden SS-Männer bei der Polizei in Homberg an. Das Ergebnis ist niederschmetternd: „Diese Anzeige aber wird nicht angenommen, und er selbst wird als Störer aus dem Polizeiwachlokal des Rathauses hinausgeworfen“, schrieb Dreytza.

Auf die Grauen der Reichspogromnacht reagierte Heilbronn ähnlich, er beschwert sich erneut bei der Polizei in Homberg. Wieder versuchte er Strafanzeige zu stellen. Seine Bemühungen führten dazu, dass ihm ein Schild mit der Aufschrift: „Ich werde mich nie mehr bei der Polizei beschweren!“ um den Hals gehängt und er von einem Beamten durch die Stadt geführt wurde. Es war nicht das letzte Mal, dass das geschah. Als die letzten in der Region verbliebenen Juden für die Wintersachensammlung der NSDAP für die Soldaten an der Front spenden sollen, wehrt sich Julius Heilbronn. Wiederum erscheint er auf der Polizei und wiederum wird ihm nun das Schild: „Ich werde mich nie mehr bei der Polizei beschweren!“ um den Hals gehängt. Erneut muss er durch die Stadt Homberg laufen.

So verwundert es nicht, dass er am 20. Februar 1942 wegen Aufsässigkeit in die Landesarbeitsanstalt Breitenau eingewiesen wurde. Die Geheime Staatspolizeistelle Kassel wies den Direktor der Landesarbeitsanstalt schriftlich an, Julius „[ ...] besonders scharf zur Arbeit heranzuziehen“.

Der befolgt den Befehl. Als er im Mai nach Theresienstadt deportiert werden sollte, ist Heilbronn körperlich am Ende, schrieb ein Mediziner an den Bürgermeister, dass ein Abtransport im Liegen, am besten auf einer Trage“ vorzunehmen sei. Julius Heilbronn starb auf dem Weg ins Konzentrationslager im Alter von 45 Jahren. WEITERE BERICHTE

Von Thomas Schattner

Quelle: HNA

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