Herrmann-Gehrke-Elsas-Schmidt-Mayrhofer-Streichquintett trat im Hospital auf

Mit Raffinesse und Charme

Gastierten in Treysa: Susanne Herrmann, Sören Gehrke, Gottfried Elsas, Anja Schmidt und Berthold Mayrhofer (von links) begeisterten als Streichquintett. Foto: Rose

Treysa. Kammermusik vom Feinsten erlebte das Publikum am frühen Sonntagabend in der Treysaer Hospitalkapelle: Zu Gast war das Herrmann-Gehrke-Elsas-Schmidt-Mayrofer-Streichquintett aus Kassel.

Susanne Herrmann und Sören Gehrke konzertierten an der Violine, Gottfried Elsas an der Viola, Anja Schmidt am Violoncello und Berthold Mayrhofer am Kontrabass. Die Musiker boten Antonin Dvoráks Quintett in G-Dur und Franz Schuberts Quintett in C-Dur.

Im Gegensatz zu Dvoráks beiden anderen Streichquintetten sieht das 1875 entstandene und 1888 revidierte G-Dur-Quintett einen Kontrabass als Verstärkung des Streichquartetts vor. Satztechnisch wird damit dem Cello die Möglichkeit eröffnet, als Melodieinstrument zu wirken, während der Kontrabass für die Bassgrundlage sorgt. So tritt das Cello im Eingangssatz in einen Dialog mit der ersten Violine, während die Mittelstimmen die Harmonie auffüllen.

Dem Kasseler Quintett gelang dieser Einstand nach Maß: Mit viel Gefühl fürs Spiel erzeugten die Musiker orchestrale Tiefe, sie blieben jedoch auch offen für stimmige und intime instrumentale Wechsel. So gewann der Quintett-Klang im Eingangssatz, dessen bodenständige Rhythmen volkstümliches Flair versprühten, zuweilen fast orchestrale Tiefe – jedoch wurden auch die dialogischen Passagen sehr plastisch modelliert.

Schuberts Streichquintett gilt als ein kammermusikalisches Spätwerk in vier Sätzen und wurde vermutlich im September 1828 komponiert, zwei Monate vor Schuberts Tod. Zu seinen Lebzeiten wurde das Werk nicht mehr aufgeführt. Ähnlich wie in anderen Spätwerken Schuberts, wie beispielsweise seiner Großen C-Dur-Sinfonie und der Letzten seiner Klaviersonaten, ist der erste Satz von außergewöhnlicher Länge. Das erklärt sich aus der Sonatensatzform und nimmt mehr als ein Drittel der Spieldauer in Anspruch.

Besondere Bekanntheit erlangte der zweite Satz: Anfangs- und Endteil sind von einer schier überirdischen Ruhe geprägt und stehen in starkem Kontrast zum stürmisch-turbulenten Mittelteil, was den Musikern mit Bravour gelang. Das lebhafte Scherzo kehrte zunächst nach C-Dur zurück, bis ein nachdenkliches, tonartlich schwer festzulegendes Trio folgte. Der Schlusssatz war ein feuriges Rondo mit deutlichen Einflüssen der ungarischen Tanzmusik.

Die Musiker, alle erfahrene Kammermusikspieler, glänzten als homogene Einheit, ohne ihre instrumentale Eigenständigkeit zu verlieren: Mit Raffinesse, Charme und Spielfreude präsentierten sie diese Juwelen als geschliffene, formvollendete Variation.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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