Raiffeisenbank Borken ist kein Sanierungsfall mehr

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Zufrieden mit dem vergangenen Jahr: Wolfgang König, Chef der Raiffeisenbank Borken. Foto: Dellit

Borken. Manchmal muss man gegen den Strom schwimmen, unpopuläre Entscheidungen treffen - und den eigenen Kurs auch korrigieren, wenn er sich als falsch erweist. Das, sagt Wolfgang König, ist das Rezept der Raiffeisenbank Borken (RBB), deren Chef er seit zehn Jahren ist.

Und wenn das funktioniert, darf man auch mal ein wenig unbescheiden klingen: „Wir haben“, sagt Wolfgang König, „im vergangenen Jahr Geschichte geschrieben.“ Er meint damit, dass die Bank das Geld an die Sicherungseinrichtung der Genossenschaftsbanken zurückgezahlt hat.

Vor Jahren war Raiffeisen noch ein Sanierungsfall und wurde von der Sicherungseinrichtung mit 25 Millionen Euro gestützt, wie König erläutert. Doch dieses Kapitel ist nun endgültig abgehakt, dank der offenbar richtigen Strategie und einer „gehörigen Portion Glück“.

König lobt die Mitarbeiter, die mit viel Engagement und Fleiß mitgearbeitet hätten, sowie den Aufsichtsrat. Die Mitglieder der Bank sollen am Erfolg teilhaben, zusätzlich zur üblichen Dividende von vier Prozent packt Raiffeisen noch ein Prozent oben drauf.

Kein Wunder also, dass König zufrieden ist. 227.000 Euro Bilanzgewinn nach Steuern, eine Bilanzsumme von 19,5 Millionen, 13.000 Kunden, 64 Mitarbeiter - das sind die (vorläufigen) Rahmendaten. Besonders erfreut ist der 58-jährige König über die Eigenkapitalquote - einem wichtigen Kennwert für die Stabilität einer Bank. Im Jahr 2009 hatten die Borkener eine Quote von 11,8 Prozent, sie stieg kontinuierlich bis auf 15,7 Prozent im vergangenen Jahr.

Die stabile Ertragslage will König bewahren, jedoch die Marktdurchdringung verbessern. Im Klartext: Die Kunden sollen Raiffeisen nicht, wie viele es tun, als Zweitbank nutzen, sondern als Nummer eins. Zwar seien 55 Prozent der Menschen, die im Geschäftsgebiet (Bad Zwesten Borken, Jesberg und Neuental) leben, Kunden bei Raiffeisen, sie haben aber nur 30 Prozent des Vermögens bei der Bank. Das will König verändern und sagt: „Die Chancen sind gut.“

Ganz sorgenfrei ist die Lage allerdings auch nicht, so könne das niedrige Zinsniveau zum größeren Problem werden, fürchtet der Banker. Es werde also auch in Zukunft gelten, zu schauen, wo man sparen kann.

Eine Möglichkeit ist die Zusammenarbeit mit anderen Genossenschaftsbanken. So kümmere sich die RBB für eine andere Bank um die Kreditsanierung. Kooperationen dieser Art seien sinnvoll. Allerdings müsse man nahe am Kunden bleiben, die Bank wolle weiterhin in jeder politischen Gemeinde präsent bleiben.

Kann das auch eine Fusion bedeuten? Ausschließen könne er das nie, sagt König, es gebe aber zurzeit keine derartigen Pläne

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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