Sie ersetzen Glockengeläut

Rasselbande in Ungedanken: Der Weckruf zum Gebet

Ungedanken. Still ist es am Mittwochabend auf dem Sportplatz in Ungedanken. Aber nur bis zur Probe der Rasselbande. Als sie auftaucht, klappert und scheppert es ordentlich. Richtig Krach machen die 14 Männer.

Sie alle haben eine kleine Rassel aus Holz umhängen und warten auf das Kommando von Wolfgang Popitz. Fast militärisch zählt er an, und dann stellen sich die Männer in einer Reihe auf und marschieren los. Dabei ratschen sie im Takt.

Die Rasselbande gehen jedes Jahr vor Ostern mit ihren Instrumenten durch den Ort und wecken die Menschen so lautstark zum Angelus-Gebet ein. Sie wollen damit das Glockengeläut von Gründonnerstag bis Karsamstag ersetzen. Denn dahinter steckt ein Glaube. „Die Glocken fliegen symbolisch nach Rom und kommen erst nach Ostern wieder“, erklärt Erwin Stingl, ein Gründungsmitglied der Rasselbande.

Wolfgang Popitz, ebenfalls ein Gründungsmitglied erklärt: „Uns gibt es seit zehn Jahren. Wir wollen die alte Tradition fortführen und wieder aufleben lassen. “

Die Männer ziehen an den drei Tagen dreimal durch den Ort, um 6 Uhr, um 12 Uhr und um 18 Uhr. Am Karsamstag gibt es um 21 Uhr noch eine Extrarunde, weil dann meistens das Osterfeuer stattfindet. „Zwischen dem Rasseln rufen wir den Christen zum englischen Gruß“, sagt Stingl. Der englische Gruß habe dabei nichts mit England zu tun, sondern komme von dem alten Wort angelus, was Engel bedeutet.

Das Angelus-Gebet werde in der katholischen Kirche dreimal am Tag - morgens, mittags und abends - gesprochen. Es erinnere an die Verkündung der Geburt Jesu und fasse sein Leben kurz zusammen.

Die Tradition des Rasselns habe es schon im 15. Jahrhundert gegeben, nach den Weltkriegen sei sie in Vergessenheit geraten.

Popitz war Messdiener und kannte den Brauch. Die Rasseln sehen aus wie Bretter mit Einschnitten und einer Kurbel an der Seite. Daran sind extra Hölzer angepasst, die sich mitdrehen. „Damit wir keine Blasen bekommen“, erläutert Popitz. Dies sei keine Seltenheit, wissen die Männer, die ihre Rasseln selbst gebaut haben.

Die Rasselbande ruft bei ihrem Gang durch den Ort die Menschen zum Gebet. Jede Runde dauere eine Stunde. „Über diese Tage legen wir etwa 30 Kilometer zurück“, sagt Stingl. Aber das lohnt sich, denn der Lauf ist für einen guten Zweck. Die Männer haben schon für viele örtliche Vereine Spenden von den Einwohnern gesammelt. Fünf ehemalige Gründungsmitglieder gibt es noch, neben Wolfgang Popitz und Erwin Stingl sind das Ludwig Fölsch, Rudolf Fuhrmann und Josef Weber.

Viele Jugendliche werden nun auch von der alten Tradition angelockt, das jüngste Mitglied ist 13 Jahre.

Dann ruft Wolfgang Popitz zum nächsten Gang mit der Rassel, damit bis Ostern auch jeder im Takt bleibt und keiner seinen gesanglichen Einsatz verpasst.

Von Leona Nieswandt

Quelle: HNA

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