Rathauskonzert in Borken mit Liedern aus den 30-er Jahren

Kurzweiliger Abend: Pianist Justus Noll (links) und Bariton Tim Riemenschneider unterhielten ihr Publikum in Borken auf gehobenem Niveau. Foto: Hintzmann

Borken. „Etwas schwere Kost?“ Die Frage des Baritons Tim Riemenschneider zu Beginn des Rathauskonzertes in Borken traf bei den Besuchern den Nerv.

Denn die Lieder „Der Teufel ist ein Mann von Wort“ von Rideamus/Straus und „Tantenmörder“ von Wedekind: „Ich hab’ meine Tante geschlachtet, meine Tante war alt und schwach“, gingen unter die Haut.

Gleich zu Beginn überwältigte Riemenschneider die Zuhörer im vollbesetzten Rathausfoyer mit politisch-satirischen Liedern, Couplets und Rondos, geprägt durch markante Refrains.

Der exzellente Bariton und der Pianist Justus Noll sind als Duo bekannt für ihre Auftritte mit einprägsamen Musikstücken. Mit „Guck doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin“ des deutschen Revue- und Tonfilmkomponisten Hollaender zeigte Tim Riemenschneider die stilistische Vielfalt seiner ausdrucksvollen Stimme.

Dreigroschenoper

Die von Bertold Brecht geprägte Berliner Musikszene der 20-er und 30-er Jahre mit sentimentalen Liedern auf Soldaten und Matrosen ließ Riemenschneider mit „Kanonensong“ und „Matrosensong“ nachklingen.

Als Stück mit schmerzlichem Tiefgang musste „Die Zuhälterballade“ von Brecht/Weill eingestuft werden. In der „Dreigroschenoper“ kreist die Handlung um den Konkurrenz- und Existenzkampf in Berlin, als Entlarvung der bürgerlichen Moral. Justus Noll, der Musikwissenschaft und Mathematik studiert hat, begleitete Riemenschneider sicher am Klavier.

Auch bei Chansons wie „Schöner Gigolo“ von Brammer/Casucci, mit Evergreens der 20er Jahre wie „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ und „Nur nicht aus Liebe weinen“, mit denen einst Marlene Dietrich und Zarah Leander ihre Zuhörer verzauberten, zeigte sich Riemenschneider stimmlich bestens präsent.

Die Texte waren dabei geringfügig auf den männlichen Interpreten umgeschrieben worden.

Erst nach zwei Zugaben klassischer Lieder wurden die zwei Künstler aus Marburg vom Publikum wieder entlassen.

Quelle: HNA

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