Der Ratskeller ist im neuen Genussführer Slow Food aufgenommen

Slowfood in Spangenberg: Der Ratskeller in Spangenberg wurde in den Genussführer Slow Food aufgenommen. Von links Küchenchef Thomas Raabe, Patin Mechthild Sittig-Zerfaß, Koch Raimund Fischer, Michael Propf, Gerhard Schneider-Rose, Thomas Müller-Propf und Pate Jakob Hinkel. Foto: Feser

Spangenberg. Das Restaurant Ratskeller im Spangenberger Rathaus wird in den neuen Genussführer Slow Food aufgenommen. Damit kann das Restaurant mit Küchenchef Thomas Raabe deutschlandweit bekannt werden.

Die Schimmelschicht im Sauerkraut-Fass hat Thomas Raabe noch genau vor Augen. Sie musste immer beiseite geschoben werden, wenn er als Kind im Tante-Emma-Laden um die Ecke Sauerkraut aus dem Holzfass kaufen musste. „Das haltbar gemachte Kraut hatte einen unverfälschten Geschmack, den heute kaum noch einer kennt“, sagt der Küchenchef des Ratskellers in Spangenberg. Dieser Geschmack ist für ihn eine Motivation, Slow Food zu kochen, also traditionelle Gerichte mit Produkten aus der Region und ohne Zusatzstoffe. Der Ratskeller ist nun in den Genussführer Slow Food aufgenommen worden.

Das Restaurant im Spangenberger Rathaus wurde im Oktober 2015 von Michael Propf eröffnet - mit Raabe als Küchenchef. Beide kennen sich aus ihrer Zeit im Restaurant auf dem Schloss Spangenberg. Damals hat sich bei Raabe die Überzeugung zum Slowfood-Kochen entwickelt.

Das gemeinsame Bekenntnis von Chef und Küchenleiter zur Slow Food-Küche hat den Ratskeller in den neuen Genussführer Slowfood geführt. Darin sind deutschlandweit Restaurants zu finden, die nach den Slow Food-Regeln kochen (siehe Hintergrund). In Nordhessen gibt es sieben, im Schwalm-Eder-Kreis zwei: den Ratskeller Spangenberg und das Gasthaus Hack in Kerstenhausen.

Die Slow Food-Bewegung gibt es in Deutschland seit den 1990er-Jahren. Raabe hat noch gelernt, ein Tier im Ganzen zu verarbeiten, und den Genuss will er an die Gäste weitergeben. „Aus Lunge und Herz kann man zum Beispiel ein Ragout zubereiten“, sagt er. Was man aus Pansen Tolles kochen könne, gerate leider immer mehr in Vergessenheit.

Thomas Raabe kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, als er in Küchen arbeitete, wo ausschließlich mit Produkten aus Dosen gekocht wurde. Das ist heute undenkbar für den 55-Jährigen. „Warum soll ich nicht verwenden, was hier wächst“, sagt Raabe. Verwundert ist er, dass die meisten Menschen Waldmeister nur als grünen Sirup und Wackelpudding kennen. „Dabei kann man Waldmeister in Wein einlegen und damit feine Cremes herstellen.“

Die Slow Food-Küche kommt bei den Gästen an. Küchenchef Thomas Raabe sagt: „Der Zuspruch hat uns vom Sockel gehauen.“ Und mit der Aufnahme in den Genussführer kann der Spangenberger Ratskeller weit über die Region hinaus schmecken.

Quelle: HNA

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