Qualmendes Unternehmen: Rauchwolken sorgen in Felsberg für Ärger 

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Ärgernis für Anwohner: Anfang August stiegen Qualmwolken aus dem Schornstein der Felsberger Firma Inline Rollenoffset und wurden vom starken Ostwind ins Wohngebiet gedrückt.

Felsberg . Weiße Rauchwolken quollen an einem Freitag Anfang August aus dem Schornstein der Felsberger Firma Inline Rollenoffset Ploch & Strube. Der Ostwind drückte den Rauch ins angrenzende Wohngebiet, Anwohner fühlten sich von dem Gestank belästigt. Es sei nicht der erste Vorfall dieser Art, beklagen sie.

Deshalb wurde das Thema auch im Felsberger Ortsbeirat angesprochen. „Das ist ein Gefühl wie auf dem Frankfurter Flughafen - ein beißender Geruch. Muss man das hinnehmen?”, fragte Walter Werner, Grünen- und Ortsbeiratsmitglied und betroffener Anwohner. Besonders die Anwohner der Schulstraße seien betroffen, beklagte Ortsbeirats-Mitglied Norbert Scholz (CDU).

„Letzte Woche und letzten Winter war es ganz schlimm”, formulierte Scholz. „Wir gehen der Sache nach, aber wir sind nicht zuständig”, sagte Ortsvorsteher Klaus Döll. Der Leiter des Melsunger Ordnungsamtes Roland Schmidt, der in der Ortsbeiratssitzung zu Gast war, erklärte, die Bauaufsichtsbehörde oder der Regierungspräsident seien Ansprechpartner.

Uwe Ebert, Produktionsleiter bei der Firma, versteht die Aufregung nicht. Den Vorfall Anfang August bestätigt er. Es habe einen anonymen Anruf gegeben: „Da hat jemand in den Hörer gebrüllt, dass es bei uns qualmen würde.“ Daraufhin habe auch er den Rauch bemerkt und eine der Maschinen abgestellt, bis das Problem behoben war.

Die Rauchentwicklung sei durch eine Verkettung mehrerer Umstände entstanden, die aber extrem selten vorkomme. Das sei eine außergewöhnliche Erscheinung. „Wollen Sie deshalb den Betrieb zumachen?“, fragt Ebert. Wenn Rauch austrete, sei dieser jedenfalls nicht gesundheitsschädlich, betont er. Die Abgaswerte seien zuletzt vor zwei Jahren vom TÜV kontrolliert worden, der nächste Kontrolltermin stehe im September an. Die Anlage selbst werde vom Hersteller jedes halbe Jahr durchgecheckt. „Das sind Sicherheitsvorkehrungen, zu denen wir nicht verpflichtet sind, die wir aber trotzdem machen - auch, wenn das der Firma zusätzliche Kosten verursacht.“

Felsbergs Umweltberater Heinrich Kern sieht aktuell keine Probleme mit der Firma. „Vor zwei Jahren war das Problem wirklich massiv, da war alles mit Rauch eingenebelt.“ Das sei aber behoben worden, seitdem sei alles ruhig geblieben. Produktionsleiter Ebert habe ihn auch durch die Anlage geführt: „Das machte alles einen guten Eindruck.“ Der Standort der Firma sei sicher nicht optimal, räumt Kern ein, „sie liegt zwar im Mischgebiet, aber eben dicht am Wohngebiet dran.“ Man sei aber sehr froh, dass das Unternehmen seinen Sitz in Felsberg habe: Sie sei schließlich ein wichtiger Arbeitgeber. 180 Mitarbeiter beschäftigt die Firma.

„Wir wollen der Firma ja nichts Böses“, sagt Anwohner Walter Werner. „Aber wir wollen uns auch nicht krankmachen lassen. Wir bilden uns das alles doch nicht ein.“

Das sagt das Regierungspräsidium:

Der Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel, Michael Conrad, sagte auf Anfrage der HNA, die Firma Strube müsse bestimmte Emissionswerte einhalten: Diese lägen bei 50 mg/m3 Gesamtkohlenstoff, 0,10 g/m3 Stickoxide und 0,10 g/m3 Kohlenmonoxid. Vor zwei Jahren habe es Probleme mit der Anlage gegeben, die behoben werden mussten. Seitdem seien die Grenzwerte aber nicht überschritten worden, es habe also auch keine Gefahr für Anwohner bestanden. Solange man der Firma nicht nachweise, dass die Grenzwerte überschritten würden, könne man nichts unternehmen. Jeder betroffene Anwohner könne sich aber ans Regierungspräsidium wenden und um eine erneute Überprüfung der Emissionen bitten. (jul)

Das Unternehmen wurde 1992 gegründet 

Die Firma Inline Rollenoffset Ploch & Strube wurde 1992 als Ergänzung zur Druckerei Strube gegründet und ist spezialisiert auf Rollenoffsetdruck.

Auf der Internetseite der Firma heißt es unter der Überschrift „Umwelt“: „Unsere Rollenoffset-Maschinen sind an modernste thermische Nachverbrennungsanlagen angeschlossen. Sie filtern die Abluft, um sie anschließend gereinigt der Umwelt zurückzuführen.“ (jul)

Quelle: HNA

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