Raum für Trauer: Bestattung fehl- und totgeborener Babys

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Berührende Skulptur: Lutz Leschs Denkmal für Fehlgeborene steht seit acht Jahren am Rande des Kindergräberfeldes. Darauf und darunter abgelegte Gedenksteinchen, Blumen und kleine Gaben erzählen von Familien, denen jemand fehlt.

Schwalmstadt. Der Abschied kam spät, die 40 eingeladen Elternpaare waren alle schriftlich informiert. Ob sie nun erschienen, in Gedanken teilnahmen oder für sich einen möglichen Platz für ihre Trauer gewonnen haben, ist Alexandra Beuth und Heidi Schöpfer nicht so wichtig.

Wichtig ist Ihnen, dass die sterblichen Überreste von Babys endlich auch im Raum Schwalmstadt in einer würdigen Weise beerdigt werden.

Die erste Gemeinschaftsbestattung für fehl- und totgeborene Kinder fand am Freitag auf dem Gräberfeld für Sternenkinder statt. Das gibt es schon seit einigen Jahren auf dem Treysaer Friedhof, Lutz Lesch schuf 2003/04 die Gedenkskulptur (siehe Foto).

Inzwischen sind auf dem kleinen Rasenfeld drei Kinder auf besonderen Wunsch ihrer Eltern einzeln bestattet. In der Zeremonie am Freitag wurde ein kleiner weißer Sarg mit den 40 Frühchen und Totgeborenen in die Erde gelassen, die, zur Unzeit geboren, nicht ins Leben finden konnten.

Pathologie in Kassel

Seit Oktober 2011 wurden die winzigen, im Satzungsdeutsch „nicht bestattungspflichtigen“ Körper in der Geburtshilfe der Asklepios-Klinik an die Pathologie in Kassel überstellt. Dort wurden sie bis zum Bestattungstermin aufbewahrt.

Die Mitarbeiter der Gynäkologie seien über die Initiative sofort angetan gewesen, berichteten die beiden Frauen. In vielen Regionen sei es inzwischen nicht mehr üblich, die so genannten Sternen- oder Regenbogenkinder in den Sondermüll zu werfen. Auch in Schwalmstadt wird das nun nicht mehr getan. Die Klinikleitung habe bei der Kontaktaufnahme verständnisvoll reagiert und Unterstützung angeboten, berichtet Pfarrer Hartmut Wagner.

Wagner erläuterte, dass es vor der Gesetzesnovellierung 1999 in Hessen keine legale Möglichkeit gab, Kinder zu bestatten, wenn sie nicht mindestens ein Pfund wogen, also bestattungspflichtig waren. Seither verbreitete sich die Information allmählich, das 2004 eingeweihte Treysaer Gräberfeld sei dabei auch zum Gedenkort für Eltern geworden, für die der Verlust schon länger zurückliegt und denen bis dahin ein Platz für die Erinnerung fehlte.

Thema vernachlässigt

Die Thematik habe man sehr lange Zeit nicht im Blick gehabt, „auch die Seelsorger nicht“. Einmal angestoßen, sei der neue Umgang ohne Widerstände angenommen worden. „Es musste nur in die Wege geleitet werden“, hat Heidi Schöpfer beobachtet. Den Initiatoren ist es auch wichtig, dass die Gemeinschaftsbestattung kein Geschäft wird. Pfarrer Wagner betonte, dass alle, vom Bestatter bis zum Blumenhaus, auf Bezahlung verzichten. Auch die Kasseler Pathologie berechnet nichts.

Für Wagner ist damit ein Ziel erreicht, auf das lange hingearbeitet wurde. Zweimal jährlich soll es in Treysa künftig die Gemeinschaftsbestattung geben.

Von Anne Quehl

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Quelle: HNA

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