Frühstücks-Treffen: Marion Buchheister sprach vor 160 Frauen in Ziegenhain

Raus aus dem Korsett

Warnte vor gängigen Fehlern in Beziehungen: Beim jüngsten Frühstückstreffen für Frauen in der Ziegenhainer Kulturhalle sprach Marion Buchheister. Foto: Rose

Ziegenhain. Marion Buchheister nennt sie Großraumdessous: Wollenes für Untendrunter in Creme oder Hautfarbe. Haben die gemeinhin als Liebestöter geltenden Unterteile im Winter durchaus einen praktischen Effekt, werden sie doch eher als störend empfunden.

Diesem Phänomen spürte die Referentin am Samstag beim Frühstücks-Treffen für Frauen in der Ziegenhainer Kulturhalle nach. „Liebestötern auf der Spur“ – hinter dem witzigen Titel verbargen sich vor allem Verhaltensmuster, die in Beziehungen zunächst harmlos wirkten, aber auf Dauer liebestötende Wirkung entfalteten. Ihren Vortrag stellen wir unter den Zwischenüberschriften (gefettet) vor.

„Wenn Komplimente zur Rarität werden“: Je nachdem welchen Umgang man mit Eltern oder in Partnerschaften erlebt habe, neige man dazu, Gelungenes als selbstverständlich zu erachten und im Umkehrschluss eben jenes zu sagen, was uns am anderen störe. „Andere nur zu tadeln, vergiftet das Beziehungsklima. Es entsteht ein Bestrafungsklima“, erläuterte Marion Buchheister. Nicht zu sagen, was den anderen ehre, sei ein Liebestöter.

„Lies mir aus den Augen, Kleines“: Das Äußern eigener Wünsche sei oft schwerer als gedacht. „Wir erwarten, dass der andere genau weiß, was wir möchten und brauchen. Und das Aufmerksamkeit nicht erst angemahnt werden muss“, sagte die Referentin. Doch im Gedanke, dass Wünsche von den Augen abgelesen würden, liege ein Liebestöter begraben. „Unsere Bedürfnissen können sich immer auch verändern, und das muss man mitteilen.“

„Also ICH sag nichts mehr“: Dinge nicht klar auszusprechen oder gar zu verschweigen, vergifte das Klima. „Es entstehen diffuse Nörgeleien,- ähnlich wie beim angetippten Domino-Stein, der eine Kettenreaktion hervorruft.“ Die Alternative des Schweigens verglich Buchheister mit einer Miederhose: „Zuerst wird etwas verdrängt, was dann an anderen Stellen wieder sichtbar wird. Wer mit Kritik spart, hat später mehr Probleme als vorher.“ Es sei besser, offen zu tadeln als heimlich Hass zu sammeln.

„Wenn das Süßholzraspeln die Tat ersetzt“: Nichts verärgere uns mehr als Menschen, die uns mit Worten entgegen kämen, aber bei denen die Taten auf der Strecke blieben, erklärte die 62-jährige Referentin. „Eine solche Güte geht uns auf den Geist.“ Diese liebevollen Beschwichtigungen, nur um es dem Anderen recht zu machen, seien Etikettenschwindel. Wer mit etwas nicht einverstanden sei, soll nicht so tun als sei er es: „Der bevorzugte wortlose Boykott ist wie ein Kriegsschiff, das als Lazarett getarnt ist.“

„Wenn Wohlwollen nach Diktatur riecht“: Es gebe Menschen, die machten Geschenke, mit denen sie eigentlich sich selbst belohnen wollten. Das sei Fremdbestimmung auf Samtpfoten. Wer sich vereinnahmt oder bevormundet fühle, dem empfahl die Referentin ebenfalls klare Worte.

„Wenn du mal bloß anders wärst“: Man müsse begreifen, das Verhalten anderer immer damit zu tun habe, was man selber tue. Buchheister warnte vor „schnellen moralischen Bewertungen“: „Es gelingt, wenn ich mich als Teil des Problems und der Lösung sehe.“

„Wenn zwei voneinander den Himmel auf Erden erwarten“: Beziehungen scheiterten häufig an Überforderung, erklärte die Referentin. Die Partnerschaft sei kein Ort der absoluten Glückseligkeit. „Der Garant für Liebe, für Lebenssinn kann der Partner nicht sein.“ Wer unbarmherzigen Idealen eine würdige Bestattung zuteil werden lasse, eröffne sich eine lohnende Perspektive. „Fangen wir an, in Beziehungen das zu sagen, was wir am anderen schätzen. Aber auch, ehrlich unsere Bedürfnisse zu äußern“, so das Ergebnis der Referentin.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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