Reaktionen heimischer Ärzte auf die Abschaffung der Praxisgebühr

Bald Vergangenheit: Eine Arzthelferin nimmt die Praxisgebühr in Höhe von zehn Euro entgegen. Foto: Archiv

Wolfhager Land. Die Praxisgebühr wird abgeschafft. Die schwarz-gelbe Koalition hat sich bei ihrem Spitzentreffen im Kanzleramt über innenpolitische Vorhaben bis zur Bundestagwahl im kommenden Jahr verständigt.

In der Nacht zum Montag gaben die Generalsekretäre von CDU, CSU und FDP in Berlin die Ergebnisse bekannt. Doch wie fallen die Reaktionen heimischer Ärzte auf den Wegfall ab 1. Januar 2013 aus?

In der Zahnarzpraxis von Dr. Carola Walter und Volker Jütte in Ehlen ist die Stimmung eindeutig: „Das ist natürlich toll“, sagt die Zahnmedizinische Fachangestellte Ayse Kurtören-Graf. Laut der 32-Jährigen bedeute der Wegfall der Praxisgebühr weniger Bürokratieaufwand, außerdem kämen die Patienten nicht mehr so verärgert in die Praxis wie bisher. Kurtören-Graf hat dafür absolut Verständnis, denn „wer bezahlt schon gerne zehn Euro?“

Die Vorteile seien, dass man weniger Zeit bei der Anmeldung der Patienten benötige, aber auch abends die Überprüfung der Kasse wesentlich schneller gehe. Hinzu käme laut der Arzthelferein, dass man nun einigen säumigen Patienten nicht mehr nachlaufen brauche. Angesprochen wurde sie gestern noch nicht auf den Wegfall der Praxisgebühr, sie habe aber einige Patienten darauf aufmerksam gemacht, sagt die Ehlenerin.

Hoher Bürokratieaufwand

„Das ist auf jeden Fall gut“, sagt der Weiterbildungsassistent, Dr. Thanh duc Hua, der in der Gemeinschaftspraxis für Allgemeinmedizin von Gisela Stahl und Dr. Dirk Wetzel arbeitet. Der ungeheure Aufwand, der von den Krankenkassen mit der Gebühr auf die Praxen abgewälzt wurde, falle nun weg, sagt Hua. Oft sei es vorgekommen, dass Patienten die zehn Euro nicht zahlen konnten oder aus Protest nicht wollten.

Deshalb würden die Patienten auch davon profitieren, sagt der 32-Jährige, denn es sei auch schon vorgekommen, dass Kranke aufgrund der Gebühr von einem Arztbesuch abgesehen hätten – dies hätte zu schwerwiegenden Folgen führen können. Bisher habe er noch keine Reaktion von Patienten erhalten, er gehe aber von einer positiven Resonanz aus, sagt Hua.

Dr. Werner Prinz vom Ärztenetz Wolfhager Land sagt, dass man die Abschaffung der Praxisgebühr begrüße. Damit verbunden sei ein wesentlich geringerer Aufwand beim Einlesen der Patientendaten, aber auch dem Mahnverfahren, welches anfangs noch die Arztpraxen übernehmen mussten, sagt Prinz.

Dr. Prinz glaubt auch, dass es für Patienten eine verbesserte Situation darstelle. Darüber hinaus gebe es auch eine Vereinfachung für die Patienten, die den Notdienst in Anspruch nehmen.

Bisher mussten dort nämlich, ganz gleich ob bereits eine Praxisgebühr im Quartal entrichtet wurde, nochmal zehn Euro in den Krankenhäusern oder der Notrufzentrale bezahlt werden, sagt Dr. Werner Prinz.

Quelle: HNA

Kommentare