22-Jähriger war im inneren Zirkel– Ruhiger um Neonazis der „Freien Kräfte“

Unverständnis über Freilassung eines rechten Schwalmstädters - Der Hintergrund

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Nach wie vor einen festen Stand: Die „Freien Kräfte Schwalm-Eder“ sind im Internet gut vernetzt.

Schwalmstadt. Es war eine Entscheidung, die bei vielen Menschen in der Region Unverständnis auslöste: Vergangenen Montag konnte ein 22-jähriger Schwalmstädter, der zum inneren Zirkel der Neonazi-Gruppe „Freie Kräfte Schwalm-Eder“ zählte, das Landgericht Marburg nach acht Monaten Untersuchungshaft als freier Mann verlassen.

Er stand innerhalb eines Jahres wegen drei Körperverletzungen vor Gericht. Wir klären über die Hintergründe auf.

„Ich kann das Unverständnis vieler Menschen gut nachvollziehen, handelt es sich doch um zum Teil schwerwiegende Straftaten, an denen der Schwalmstädter beteiligt war“, sagt Stephan Bürger, Leiter des Projektes „Gewalt geht nicht“. Allerdings sei es Sache der Justiz, diese zu beurteilen.

Name mehrfach aufgetaucht

Bürger, der die Szene beobachtet, hält es für sehr wahrscheinlich, dass der 22-Jährige zum inneren Kern der „Freien Kräfte“ zählt. Sein Name sei im Zusammenhang einschlägiger Straftaten immer wieder aufgetaucht.

Von Seiten der Polizei heißt es zu diesem Fall, dass die Strukturen der „Freien Kräfte“ nicht zu durchschauen seien, weil es sie in einer gefestigten Form nicht gebe. „Da ist Bewegung drin: Jüngere werden aktiv, andere ziehen sich zurück“, sagt Pressesprecher Markus Brettschneider. Dennoch gebe es einen harten Kern.

Insgesamt sei es um die lose Gruppierung ruhiger geworden. “Wir beobachten einen deutlichen Rückgang rechtsextrem motivierter Straftaten“, sagt Brettschneider. Seit dem brutalen Überfall auf einen Serben in der Treysaer Gaststätte „Alte Wache“ Ende Februar, an dem der 22-Jährige maßgeblich beteiligt war, habe es keine „extremeren Übergriffe“ mehr gegeben.

Stephan Bürger und seiner Initiative macht diese Entwicklung Hoffnung. Das habe sicher auch damit zu tun, dass es seit Frühjahr viele Gerichtsverhandlungen und Urteile gegen Rechte gegeben habe. Auch die Polizei habe großen Aufwand bei Ermittlung und Prävention betrieben.

Eine komplette Beruhigung der Szene gebe es aber nicht: Auch aktuell seien Bedrohungssituationen und Sachbeschädigungen bekannt. „Zudem wissen wir, dass die verurteilten Anhänger noch immer ihren Wohnsitz im Landkreis haben“, sagt Bürger. Im Internet sei die Gruppe gut vernetzt.

Einstellungswandel in U-Haft

Zur Freilassung des Schwalmstädters teilte die Pressesprecherin der Marburger Staatsanwaltschaft Annemarie Wied mit, dass auch der Einstellungswandel in der Untersuchungshaft und die günstige Sozialprognose zu einem milderen Urteil geführt hätten. Am Ende hatte es zwei Jahre Haftstrafe gegeben, die für vier Jahre auf Bewährung ausgesetzt wurden.

Nach einem vorherigen Urteil des Amtsgerichts Schwalmstadt, gegen das der Verurteilte Berufung eingelegt hatte, hätte er für zwei Jahre und zehn Monate hinter Gitter gemusst.

Quelle: HNA

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