Ungemütliches Wetter sorgte dafür, dass zum Fuldaradeln deutlich weniger Pedalritter als sonst kamen

Fuldaradeln: Regenjacken waren Trumpf

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Endlich Kundschaft: Die Zwillinge Celine und Sharon Reichhold (12) aus Büchenwerra freuen sich, dass Siegfried Erhardt (72) aus Waldau bei ihnen stoppt und etwas trinken möchte. Der anhaltende Regen hatte kaum jemanden zum Verweilen eingeladen, obwohl sich die Mädchen mit Getränken und anderen Köstlichkeiten bestens vorbereitet hatten.

Kreisteil Melsungen. Tief hängende Wolken, ein grauer Himmel, eine kühle Brise und zwischendurch ein Regenschauer: Das neunte Fuldaradeln litt am Wochenende darunter, dass auch der Sommer in die Ferien gefahren ist.

Statt der in vorherigen Jahren mehr als 2000 Teilnehmer waren es diesmal kaum 1000 auf der Strecke zwischen Fuldabrück und Guxhagen.

Das zeichnete sich schon beim Start in Bergshausen ab. Die Schar von Pedalrittern war überschaubar, die sich am Sonntagmorgen am Fuldaufer unterhalb der Gaststätte Fährmann traf. Wäre da nicht eine von Bürgermeister Manfred Schaub angeführte radelnde Abordnung aus Baunatal gewesen, hätte der Gastgeber, Fuldabrücks Bürgermeister Dieter Lengemann, die Starter an vier Händen abzählen können. Lengemann feuerte den letzten Schuss aus der Kanone der Kasseler Traditionskanoniere ab.

Das Wetter war also nichts für Schönwetter-Pedalritter. Zu denen zählt die Familie Amador aus Mexiko, die in Guntershausen wohnt, bestimmt nicht. „Das Wetter ist schon in Ordnung“, sagte Vater Héctor, während seine Frau Liliana und die Söhne Ramón (11) und Emilio (8) auf ihre Räder stiegen. Es gibt kein falsches Wetter sondern eben nur ungeeignete Kleidung. Die Amadors sind mit Regenjacken und dicken Handschuhen für alles gerüstet.

Entlang der 24 Kilometer langen Strecke bis Guxhagen gab’s für die Radler jede Menge Programm: in Büchenwerra beispielsweise im Hof des Hauses Tri-Elfs indische Spezialitäten und orientalischen Tanz, gegen Verspannungen sogar kostenlose Massagen.

In Grebenau wurden die Radler durch Bläserklänge in die Kirmesscheune gelockt. Wer den Gottesdienst verpasst hatte, konnte dem Fanfarenzug Gudensberg lauschen oder später Erbsensuppe und Selbstgebackenes zu sich nehmen. Körle hatte sogar die Autos aus dem Ortskern verbannt, um ungestörte Fahrradfeststimmung zu gewährleisten.

Bauchtanz in der Radlerpause: Die Tanzgruppe mit dem ägyptischen Namen „Achlam Sahida“ (Schöne Träume) nutzte eine kurze regenfreie Phase und zum Bauchtanz.

An allen Standorten gab es einen Fahrrad-Pannenservice oder Erste- Hilfe-Stationen, die aber kaum genutzt werden mussten. Leider hielt sich die Sonne den gesamten Tag konsequent verborgen, so dass nur schwerlich Gemütlichkeit aufkommen wollte. Immer wieder gingen kräftige Regenschauer nieder, Wind und für den Juli unerwartet kühle Temperaturen sorgten wohl dafür, dass die Teilnehmerzahl deutlich unter den Erwartungen blieb.

Es waren überwiegend Erwachsene, die sich auf den Weg gemacht hatten, die meisten professionell ausgerüstet und bei jedem Wetter radelbegeistert. Wer die Regenjacke vergessen hatte, musste schon mal „schluren“, wie ein Radler verschmitzt meinte. Das bedeutet, sich an einer geschützten Stelle unterstellen. Die Reize dieser besonderen Radelstrecke, die liebliche Landschaft der Fuldaauen, die romantischen Winkel in den zahlreichen Fuldaschleifen und die schmucken Fachwerkörtchen des Fuldatals kamen bei diesem Wetter leider nur wenig zur Geltung.

„Eine solche Veranstaltung steht und fällt mit dem Wetter“, bilanzierte Achim Mihr vom Organisationsteam. Dennoch blickt er auf eine gelungene und störungsfreie Veranstaltung zurück. (zbr)

Quelle: HNA

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