Mehr als 100 Jahre alt

Regionalmuseum bewahrt mehr als 100 Jahre alte Spruchbilder auf

+
Haussegen: Auf Papier gesticktes Spruchbild mit Montierungen, um 1890/1900.

Wolfhagen. Bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren im Wolfhager Land gerahmte Bilder Menschen vorbehalten, die über ein finanzielles Polster verfügten.

Mit den Entwicklungen und Fortschritten in der Drucktechnik stellte sich dann allerdings eine wahre Bilderflut ein. Wandbildverlage schossen aus dem Boden und ihre Produkte fanden sich in Wohn- und Schlafstuben, Schulen und Amtsräumen.

Die unter dem Begriff Haussegen vertriebenen Spruchbilder reihten sich in dieses Bedürfnis nach neuem Wandschmuck ein. Es handelte sich um gerahmte Stickbilder, die religiöse oder moralisierend-weltliche Sprüche zum Inhalt hatten.

Grundmaterial war Papierkanevas, Stramin aus Papier. Darauf stickte man in Platt-, Stiel- und Spannstichtechnik mit Woll-, Seiden- oder Chenillegarn. Anfangsbuchstaben wurden häufig durch eine Umrahmung mit Gold- oder Silberfäden hervorgehoben. Man verzierte die Sprüche mit Trockenblumen und Bildchen aus Celluloid oder gedruckten Motiven.

Erwerben konnte man die Haussegen als Halbfertig- oder Fertigprodukte in Geschäften oder über den Versandhandel. Halbfertig wurden sie mit bereits angestickten Vorzeichnungen verkauft. Zusätzlich waren schwierigere Arbeiten wie Blütenstern- oder Blattrippenmontierungen bereits ausgeführt. Diese Vorarbeiten erledigten von den Firmen beschäftigte Frauen in Heimarbeit.

Haussegen waren beliebte Hochzeitsgeschenke bei Arm und Reich. Sie fanden ihren Platz in Wohnküche, Stube oder Flur und wurden hoch in Ehren gehalten. Sie waren zudem ein Exportschlager: Eine Leipziger Firma beispielsweise lieferte Ausführungen in elf unterschiedlichen Sprachen und stellte sie sogar auf der Weltausstellung 1892 in Chicago aus.

Das Exemplar im Regionalmuseum Wolfhager Land trägt den Spruch: „Wer auf Gott vertraut, das Feld gut baut und früh aufsteht, spät schlafen geht, das Wirtshaus misst und sparsam ist, hat keine Noth und immerzu sein täglich Brod.“

Die Stickerei ist teils mit Wollfäden ausgeführt, für die oben und unten im Oval angeordneten Sätze verwendete man Chenillefäden, die zusätzlich mit Goldfäden umrahmt wurden. Die Abbildung zeigt einen Bauern im Sonntagsstaat mit Pferdegespann vor einem Pflug. Im Hintergrund sieht man eine Kirche. So wird in der Abbildung das moralisierende Thema „Glauben und Arbeiten“ noch einmal aufgegriffen. (ant)

Kontakt: Regionalmuseum Wolfhager Land, 05692/992431, www.regionalmuseum-wolfhager-land.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Quelle: HNA

Kommentare