"Protochirotherium wolfhagense"

Regionalmuseum: Typusmaterial des Wolfhager Urhandtiers

Museumsstück: Ein Fußeindruck von Protochirotherium wolfhagense. Foto: nh

Wolfhagen. Nach 250 Millionen Jahren alten Saurierspuren aus der Trias-Zeit durchleuchten die beiden Paläontologen Dr. Reiner Kunz aus Wolfhagen und Dr. Jürgen Fichter aus Kassel seit etwa 14 Jahren einen ehemaligen Steinbruch im Stadtwald von Wolfhagen.

Die ersten, noch etwas unsicheren Hinweise auf das Vorkommen solch unvorstellbar alter Saurierspuren entdeckte Kunz 1999 im Schuttkegel am Fuß der Steinbruchwand.

Von Jahr zu Jahr kamen dann sowohl bei der Nachsuche im Schuttkegel als auch bei einer Grabung im anstehenden Gestein im Top des Steinbruchs immer mehr Funde zum Vorschein.

Bis heute sind neun verschiedene Fährtengattungen erkannt worden, davon zwei bis dahin völlig unbekannte und somit auch noch nicht beschriebene Gattungen. Für eine von ihnen wurde von Fichter und Kunz im Jahr 2004 der Gattungs- und Artname Protochirotherium wolfhagense vergeben, was soviel bedeutet wie „Altes Handtier von Wolfhagen“. Handtier deshalb, weil die Fußeindrücke einer menschlichen Hand ähnlich sehen. Dabei sind die Eindrücke so fein überliefert, dass man sogar die Schuppen der Saurierhaut und die Zehennägel erkennen kann.

Weltweite Anerkennung

Die in der internationalen paläontologischen Fachzeitschrift „Ichnos“ veröffentlichte Beschreibung und Benennung der neuen Gattung und Art Protochirotherium wolfhagense fand weltweite Anerkennung. Inzwischen werden im geologischen Sinne zeitgleiche Funde, unter anderem aus Marokko, Polen, Italien, Spanien und Österreich, ebenfalls der Gattung Protochirotherium zugerechnet.

Aufgrund des hohen Alters und der Tatsache, dass das Erscheinungsbild von Protochirotherium ursprünglich anmutet, geht man davon aus, dass diese Spuren von Tieren stammen, die an der Basis der so genannten Archosaurier, zu denen auch Krokodile und Vögel gehören, stehen.

Eine Fundgrube für Paläontologen: Der Steinbruch im Stadtwald von Wolfhagen um das Jahr 2000.

Die Veröffentlichung der Gattung Protochirotherium hat auch noch eine ganz andere Konsequenz. Geowissenschaftler versuchen, Gesteinseinheiten nach den verschiedensten relativen Zeit-Kriterien zu gliedern, um sie weltweit korrelieren zu können. So gibt es auch eine Gliederung der Trias in Zeitzonen, die nach dem ersten Auftreten von bestimmten Saurierspuren benannt sind. Dabei ist eine der ältesten Zonen international nach Protochirotherium benannt worden.

So ist einzuschätzen, welche Karriere das Wolfhager Urhandtier bisher gemacht hat. Das Typusmaterial von Protochirotherium wolfhagense – die Stücke, anhand derer die Gattung und Art definiert wurde – sind in der geologischen Ausstellung des Regionalmuseums Wolfhager Land zu bewundern.

Kontakt: Regionalmuseum Wolfhager Land, 05692/ 99 24 31, www.regionalmuseum-wolfhager Land.de.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag, 10 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Quelle: HNA

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