Reinhard Berle, Vorsitzender des Kinderhilfswerks Global Care, war in Afrika

Trinkwasser für Uganda

Frisches Wasser: Das Fritzlarer Kinderhilfswerk Global Care und Sponsoren haben Trinkwasserbrunnen in Uganda finanziert.

Fritzlar/Kampala. Es sind Geschichten wie die von Rose, die Reinhard Berle vom Fritzlarer Kinderhilfswerk Global Care antreiben. Berle war mit Sponsoren in Uganda, die dort Trinkwasserbrunnen finanziert haben.

Rose ist mit dem Aids-Virus infiziert, das ihr Mann mit in die Familie brachte. Als er starb, wurden Rose und ihre Kinder von der Familie des Mannes aus dem Haus geworfen. Die Krankheit ist ein Stigma im Land. "Niemand würde das Wort Aids aussprechen", sagt Berle. Rose und ihre Kinder mussten auf der Straße leben, bis sie bei Global Care aufgenommen wurden.

Aids-Kranke, Kriegswaisen, ehemalige Kindersoldaten, Flüchtlinge, Durst und Armut - es gibt so viel zu tun in Uganda und vielen anderen Ländern, dass es manchmal schon frustrierend sei, sagt Berle. Doch dann gibt es die Momente, die Mut machen: Zum Beispiel, wenn Berle Schüler trifft, die an einer der Schulen lernen, die Global Care eingerichtet hat, und weiß: "Für diese Menschen hat es einen Unterschied gebracht."

Zurück in der Kälte

Vor einigen Tagen ist Reinhard Berle aus Afrika zurück gekommen, aus der Hitze in die Kälte. Dorthin war er mit Sponsoren gereist, die Brunnen in Uganda finanziert haben. Für einen Brunnen werden 2500 Euro gespendet, die übrigen 7500 Euro zahlt das Bundesministerium für Entwicklung.

54 Brunnen umfasst das Programm, aus jedem kann ein Dorf mit bis zu 1000 Einwohnern versorgt werden. Global Care hat ein Bohrgerät, das bis 100 Metern in die Tiefe reicht.

Zu den Sponsoren gehörte auch Karl-Otto Winter, der zu seinem Geburtstag Spenden sammelte. Einige der Spender wollten sich jetzt vor Ort einen Eindruck davon verschaffen, was aus ihrem Geld geworden ist. Die Reise haben die Mitfahrer selbst bezahlt, betont Berle.

In Uganda sei es zu bewegenden Szenen gekommen, die Besucher wurden in den Dörfern gefeiert. Ein Mitreisender habe an einem Brunnen ein Foto seiner zweijährigen Tochter heraus geholt. Er empfinde sie als solch ein Geschenk, dass er den Brunnen nach ihr benennen wolle.

Wichtig sei Global Care, dass die Bewohner der Dörfer den Brunnen als ihren eigenen betrachteten. Er gehöre nicht dem Kinderhilfswerk, sondern den Menschen in Uganda. Daraus resultiere auch ein Verantwortungsgefühl, etwa wenn es um Reparaturen geht - ein Brunnenkomitee wird in jedem Dorf eingerichtet.

Manche Brunnen laufen bereits seit 1994, berichtet Berle. Zehntausende werden aus den 54 Brunnen versorgt, weitere sollen folgen. Auch das dürfte Reinhard Berle Mut für seine Arbeit mit Global Care machen.

Von Olaf Dellit

Hintergrund: Kinder mussten ihre Familien töten

Global Care kümmert sich um viele Menschen, auch um Kindersoldaten aus Nord-Uganda. Die Entwicklung Ugandas verfolgt Berle seit den 80er-Jahren. Ein kanadischer Missionar hatte Berle damals vorgeschlagen, in Uganda aktiv zu werden. Die Arbeit begann mit dem Kauf eines Grundstücks, auf dem heute ein Kindergarten, eine Grundschule und eine High School stehen, 1200 Schüler gehen dort zum Unterricht.

Inzwischen sind laut Berle 175 Schulen im Land entstanden, dazu kommen zahlreiche Brunnen (siehe Artikel oben), fünf Krankenstationen und drei Hoffnungs-Häuser (Houses of Hope), in denen Kinder wohnen können. In 55 Aids-Büros im Land finden Betroffene Beratung und Betreuung, wenn sie an der tabuisierten Krankheit leiden. Ein Büro betreut bis zu 200 Menschen.

Auch mit Kindersoldaten hat Global Care zu tun. Besonders im Norden Ugandas herrschte lange Krieg, die Transporte in die Region seien sehr gefährlich gewesen, sagt Berle. Der Rebellenführer Joseph Kony trieb dort sein Unwesen, viele Menschen wurden vertrieben. Er setzte auch Kindersoldaten ein. Meistens hätten die Kinder anfangs Fremde töten müssen, später oft ihre eigenen Familienmitglieder. „Die Hemmschwelle der Kinder wurde gezielt herabgesetzt“, erläutert Berle. Wenn solche Kinder von Global Care betreut werden, bekommen sie auch psychologische Hilfe, was enorm wichtig sei.

Das Fritzlarer Kinderhilfswerk ist auch im größten Flüchtlingslager der Welt in Dadaab in Kenia tätig. Dort sei die Lage verzweifelt. „Es ist ein unwahrscheinlich aggressives Umfeld“, sagt Berle. Vergewaltigungen seien an der Tagesordnung, Menschen würden für Trinkwasser umgebracht. Berle wollte das Lager besuchen, doch ihm sei dringend abgeraten worden. (ode)

Quelle: HNA

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