Das Marionettentheater Wernswig ließ für behinderte Kinder die Puppen tanzen

Reise in die Märchenwelt

Ganz nah dran: Die Kinder freuten sich über einen Blick hinter die Kulissen von Frau Holles Märchenwelt im Marionettentheater Wernswig. Fotos: Ehl-von Unwerth

Wernswig. Behinderten und bedürftigen Menschen eine besondere Freude zu machen: Das hat sich das Wernswiger Marionettentheater seit dem Beginn seiner Erfolgsgeschichte vor neun Jahren auf die Fahnen geschrieben. Alljährlich lassen die Vereinsmitglieder für den guten Zweck in mehreren kostenfreien Vorstellungen die Puppen tanzen.

In diesen Genuss kam jetzt zum wiederholten Mal der Verein „Unsere besonderen Kinder“: Gemeinsam mit ihren Familien tauchten rund zwei Dutzend Kinder mit verschiedenartigen Behinderungen in die Grimmsche Märchenwelt von Frau Holle ein.

Gespannt verfolgten sie die Geschichte um die garstige Stiefmutter, die fleißige Goldmarie, die faule Pechmarie und die gutmütige Frau Holle. Angesichts unmissverständlicher Kommentare, Buh-Rufe und nach oben oder unten gereckter Daumen war schnell klar, wem die Sympathien galten.

Trost im Foyer

Einen zusätzlichen Sympathieträger jenseits der hölzernen Akteure fand Jonas Weber aus Römersberg: Die Lichtblitze beim Übergang von der Erdenwelt in Frau Holles Märchenwelt waren dem Achtjährigen nicht ganz geheuer. So flüchtete er ins Theaterfoyer und traf dort auf Vereinsvorsitzenden Udo Schröder. Der tröstete den ängstlichen Jungen, lauschte gemeinsam mit ihm aus sicherer Entfernung dem Bühnengeschehen – und erzählte ihm parallel dazu die gesamte Geschichte. Die akustische Privatvorstellung endete erst, als Jonas sich kurz vor Ende des Stückes wieder in den Zuschauerraum wagte und unter heftigem Winken die Hauptakteure an den Fäden namentlich verabschiedete.

Eine doppelte Erkenntnis nahmen die jungen Zuschauer nach dem Stück mit nach Hause: Sie erkannten, dass Fleiß belohnt wird und sie wissen nun, warum es derzeit auf der Erde nicht schneit: Vor kurzem noch habe ganz sicher eine Goldmarie bei Frau Holle die Betten geschüttelt und damit für viel Schnee gesorgt.

Jetzt allerdings sei offensichtlich eine faule Pechmarie dort, deshalb müsse man wohl aufs Schlittenfahren verzichten.

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

Quelle: HNA

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