Die Jungen Tenöre begeistern Publikum im Wolfhager Kulturzelt

Singende Herzensbrecher: Die Jungen Tenöre im Wolfhager Kulturzelt. Foto:  Hofmann

Wolfhagen. Ihre Show ist so aalglatt wie ihre Schuhe poliert sind. Die Witze sind fast so schlecht wie die eingedeutschten Texte der „Pop-Classics“ auf ihrem gleichnamigen neuen Album. Und doch scheinen die Jungen Tenöre irgendetwas zu haben, was die Menschen fasziniert.

Das Konzert am Dienstagabend im Kulturzelt ist nicht umsonst nahezu ausverkauft. Auf Händen würden die Wolfhager die Klassik-Clowns am liebsten tragen, doch die benötigten sie, um permanent klatschend ihre Verzückung zu demonstrieren.

Wie schon zwei Jahre zuvor begeistern die singenden Herzensbrecher mit ihrer haarscharf an der Schleimgrenze kratzenden Darbietung. Der in Deutschland noch immer vollzogenen Trennung von E- und U-Musik begegnen Ilja Martin, Hubert Schmid und Hans Hitzeroth dabei stets mit einem Augenzwinkern. Das können sie guten Gewissens: Alle drei mit bemerkenswerten Stimmen gesegnet, haben sie die großen Klassikbühnen längst besungen, ziehen nun durch die Lande, um auch Menschen fernab der Klassik-Schickeria in den Genuss ihres Könnens kommen zu lassen. Warum aber müssen sie dafür gleich so viele Sprossen auf der Niveauleiter herabsteigen, Klassiker der 70er- und 80er- Jahre in gestelztes Deutsch übersetzen, das sinnigen Reimen hinterherjagt und dabei nicht einmal mehr gut klingt? Da wird Dionne Warwicks „That’s what friends are for“ zu „Wenn man Freunde hat“, und da gehe dann „vieles ganz glatt“. Es hätte auch gereicht, das Lied mit Originaltext durch die perfekten Stimmen der Tenöre zu veredeln. Wie an vielen anderen Stellen ist es auch hier die gewisse Portion „Zuviel“, die einen faden Beigeschmack hinterlässt.

Ihr Vorhaben allerdings gelingt, wenn sie etwa musikalisch ins Land der großen Tenöre reisen und italienische Lebensfreude verbreiten. Da nehmen sie ihr Publikum nach einer wirklich gelungenen Interpretation von Enrico Carusos „Mattinata“ mit auf den Vesuv, wo sie die Seilbahn-Hymne „Funiculi – Funiculà“ besingen. Ein „O sole mio“ macht das Bella-Italia-Feeling perfekt.

Weniger ist manchmal eben mehr, auch dann, wenn Tenöre besonders jung daher kommen wollen. Dennoch schaffen sie es, ihre Melodien tief in die Gehörgänge der Konzertbesucher zu setzen. Noch lange nach dem Konzert ertappt man sich beim Besingen der „Bella bella Marie“, beim Konzert dank des großen Kulturzelt-Chores einer der Glanzpunkte des Abends. Da wird es Zeit, dass der nächste Ohrwurm-Experte kommt. Milow hat mit seinem „Heyo Technology“ heute Abend sicher gute Chancen, die Marie aus den Ohren der Wolfhager zu vertreiben. Dann hoffentlich auf eine reduziertere und authentischere Art, ohne dabei aufgesetzt zu wirken.

Quelle: HNA

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