Kasse zahlt nur Akkus für einige Stunden

Reisen sind für ihn unmöglich: Borkener atmet durch Maschine

Luft zum Atmen aus der Maschine: Marcel Szkucik aus Borken leidet an Muskelschwund und möchte gerne verreisen. Doch ihm fehlen Ersatz-Akkus für das Beatmungsgerät. Foto: Dellit

Borken. Marcel Szkucik aus Borken kann nur durch eine Maschine atmen. Seit zehn Jahren ist das so, denn Szkucik leidet an spinaler Muskelatrophie, an Muskelschwund.

Festgestellt wurde die Krankheit, als der Borkener sechs Monate alt war, wie er erzählt.

Heute ist er 21 Jahre alt und möchte gerne immer wieder Neues erleben. „Ich reise für mein Leben gern“, hat er der HNA per E-Mail geschrieben. Doch da gibt es ein Problem: die Atemluft.

Seine Krankenkasse, die AOK Hessen, habe ihm für sein neues Beatmungsgerät zwei Akkus finanziert, sagt Szkucik. Einer liefert Strom für vier bis sechs Stunden, dann muss er wieder an die Steckdose.

Gefahr auf Reisen 

Der Borkener befürchtet, dass er bei einer längeren Reise in Gefahr geraten könnte. „Was ist, wenn ich im Stau stehe oder mal ein Akku kaputt ist?“, fragt er sich. Sollte das wirklich passieren, würde Szkucik einfach die Luft wegbleiben, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die AOK Hessen habe ihm mitgeteilt, mit zwei Akkus sei sein Bedarf gedeckt. Dabei würde Marcel Szkucik gerne mal wieder nach Hamburg reisen oder sogar nach Polen, wo er Familie und Freunde hat.

AOK-Pressesprecher Riyad Salhi bestätigte auf Anfrage der HNA, dass Szkucik zwei Akkus und zwei Atemgeräte erhalten habe. Die Krankenversicherung sei dafür verantwortlich, die Grundversorgung im Alltag zu finanzieren, das sei mit den beiden Akkus erfolgt.

„Ich reise für mein Leben gern.“ 

Für einen Erholungsurlaub könne die Kasse keine weiteren Akkus bezahlen, es gebe eine entsprechende Rechtsprechung. Eine Ausnahme könne allenfalls sein, wenn Marcel Szkucik eine Reise aus medizinischen Gründen unternehmen müsse, etwas um zu einer Kur zu fahren.

Am liebsten wäre es Szkucik, wenn er zwei Ersatzakkus bekommen könnte. Einer davon koste 750 Euro, sagt er. Dann könnte er wieder bedenkenlos verreisen.

Eltern liefen von Arzt zu Arzt 

Anzeichen der Muskelatrophie waren bei Marcel Szkucik erkannt worden, als er im Kleinkindalter den Kopf nicht mehr heben konnte. „Meine Eltern sind von Arzt zu Arzt gelaufen“, sagt er. Bis die Dia-gnose feststand.

Im Laufe der Zeit verschlechterte sich die Situation. Inzwischen wird der 21-Jährige nicht nur künstlich mit Atemluft versorgt, sondern auch ernährt. So lange es ging, malte er gerne mit Pinsel und Ölfarbe, das geht heute nicht mehr. Aber Szkucik macht Musik, das geht mit dem Computer. Einige Zeit spielte er in einer Band mit.

Ein wichtiges Kommunikationsmittel ist für ihn der Computer, den Rechner kann Szkucik mit einem Trackball per Daumen bedienen und so auch E-Mails schreiben. Doch Ausflüge im Internet ersetzen für den jungen Mann keine echten Reisen.

Wer Marcel Szkucik helfen will, erreicht ihn per E-Mail unter szkucik@gmx.net 

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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