"Bremse nicht für Vierbeiner": Rentner überfuhr Hund - Prozess

Treysa. Weil er einen Hund überfahren und sich nicht weiter um das Schicksal des Tieres gekümmert hatte, musste sich ein 77-jähriger Rentner aus dem Schwalm-Eder-Kreis vor dem Amtsgericht Schwalmstadt verantworten.

Zwar war der Mann nach dem Unfall aus seinem Auto ausgestiegen, um sich über das Geschehene einen Überblick zu verschaffen, doch hatte er laut Anklage nach einem Wortgefecht mit der Hundehalterin keine Angaben zu seiner Person hinterlassen und sich später auch nicht mehr bei der Polizei gemeldet. Der Hund starb kurz darauf.

Wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verurteilte das Gericht den bis dahin im Straßenverkehr unauffälligen 77-Jährigen zu einer Geldstrafe von 1200 Euro und einem einmonatigen Fahrverbot. Zudem trägt er die Kosten des Verfahrens.

Ende August vergangenen Jahres war der Mann vormittags mit seinem Auto in Schwalmstadt unterwegs gewesen. Er sei dem Auto seiner vorausfahrenden Tochter gefolgt, in dem auch seine Ehefrau gesessen habe, erklärte der Angeklagte.

Im Bereich Rommershäuser Hohle und Auf der Windmühle in Treysa habe er zwei Frauen mit Hunden wahrgenommen. Die Hunde hätten gebellt. Um den Hügel hochzukommen, habe er beschleunigen müssen und vom ersten in den zweiten Gang geschaltet. „Plötzlich war links etwas Schwarzes“, sagte der 77-Jährige.

Entschieden wies er den Vorwurf der Hundehalterin zurück, er habe den Hund absichtlich überfahren. Der Hund sei ihm ins Auto gelaufen, beteuerte er. Die Hundehalterin habe ihn beim Aussteigen beschimpft, worauf er ihr gesagt habe, sie hätte ihren Hund anleinen müssen.

Die Hundehalterin sagte aus, sie sei mit einer Bekannten und den Hunden aus dem Feld zurückgekommen. Als sie ihren Hund habe anleinen wollen, sei er hinter dem Auto der Tochter des Angeklagten hergelaufen, dann aber wieder zurückgekommen und dabei vom 77-Jährigen überfahren worden. „Er konnte den Hund nicht übersehen“, sagte die Hundehalterin.

Der 77-Jährige habe in Richtung ihres Hundes geblickt, Gas gegeben und ihn überfahren. Das Tier habe noch ein bis zwei Schritte gemacht und sei dann auf dem Gehweg liegengeblieben. Er bremse nicht für Hunde, habe der Angeklagte hinterher zu ihr gesagt.

Vor der Urteilsverkündung erklärte der 77-Jährige, er bedauere es, den Hund überfahren und hinterher gesagt zu haben, er bremse nicht für Hunde. Er habe sich nicht schuldig gefühlt, weil der Hund auf der Straße herumgelaufen sei. Nach Aussage aller Zeugen, darunter die Bekannte der Hundehalterin und deren Mann, der die Geschehnisse vom Balkon aus beobachtet hatte, sowie die Tochter des Angeklagten, gelangte das Gericht zur Auffassung, dass es sich beim Überfahren des Hundes um einen Unfall gehandelt hatte.

Der Richter rügte jedoch das Verhalten des Angeklagten. Es wäre auch menschlich gewesen, der Hundehalterin anzubieten, sie zum Tierarzt zu fahren. (zhk)

Quelle: HNA

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