Trio der Leipziger Pfeffermühle begeisterte Publikum im Felsburg-Theater

Republik auf der Schippe

Küss’ die Hand: Ein Kassenpatient huldigt Dr. Corleone. Foto: Hirchenhain

Felsberg. Der nördliche Schwalm-Eder-Kreis kann sich wirklich nicht beschweren, in puncto Kabarett und Comedy zu kurz gekommen zu sein. Nach drei turbulenten Abenden in der Melsunger Kulturfabrik („Scharfe Barte“) flatterten drei Engel aus Leipzig, von der Leipziger Pfeffermühle auf die Bühne des Felsburg-Theaters im Felsberger „Alten Rathaus“. Sie ließen das proppenvolle Haus Zeuge einer göttlichen Komödie werden. Veranstaltet von Gemeinsam Lachen und der Vereinsgemeinschaft Felsberg gelang die Neubelebung des Kabaretts im Felsburg Theater auf das Vortrefflichste.

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt: Der liebe Gott, zum zweiten Mal mit einer dreißig Jahre jüngeren Frau verheiratet, schuf, um sich und seiner jungen Frau die Langeweile zu vertreiben, die Erde mit all ihren Verlockungen.

Als er später stolz sein Werk betrachtete, besah er jene trübe Stelle im europäischen Sumpf, in der die Bundesrepublik Deutschland zu versinken drohte. Schwer geschockt, gründete Gott den HÖD, den Himmlischen Öffentlichen Dienst, besetzte ihn mit drei Engeln. Denen gab er den ewigen Auftrag, dafür zu sorgen, dass nicht alles aus dem Ruder läuft.

ElisabethSonntag, Dieter Richter und Rainer Koschorz, die drei Engel, drehten die politische, soziale und kulturelle bundesdeutsche Wirklichkeit dermaßen durch den kabarettistischen Fleischwolf, dass den Zuschauern vor Lachen die Tränen über die Wangen kullerten.

Vor allem die Banker, der Verfassungsschutz und die NPD („hohlraumkonservierte Vollidioten“), die mafiöse Gier der Ärzte („Dr. Corleone: Wenn ich nicht so viel Geld habe, macht mich das krank“) und die spezifische deutsche Bürokratie wurden mit eng(e)lischem Humor gnadenlos auf die Schippe genommen und entlarvt.

Elisabeth Sonntag in ihren Solorollen als himmlisch- sächsische Politesse und als Frau Müller-Schwickeradt, die sich als „Führer“ ausgibt und Dieter Richter, der in bester Kalauer-Manier über die Kernkompetenz des Mannes (Fortpflanzung) philosophierte, begeisterten das Publikum.

Die drei Mitarbeiter des HÖD, mit vermeintlichen Schwächen und Stärken deutscher Beamter ausgestattet, boten handfestes politisches Kabarett, etwas, was man bei den Melsunger Kabaretttagen ein wenig vermisst hat. Langanhaltender stürmischer Beifall belohnte die starke kabarettistische Leistung.

Klaus Döll, Sprecher des Vereins Gemeinsam lachen, betonte, dass der Auftritt der Leipziger Pfeffermühle in einem „so kleinen Raum“ auch die Funktion habe, den Ratskeller, der derzeit geschlossen ist, mit Leben zu erfüllen.

Von Gert Hirchenhain

Quelle: HNA

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