Künstlerstipendiatin Jana Lange zeigt ihre Werke in der Kunsthalle Willingshausen

Der Respekt vor Natur und Tier

Drei Monate im Dorf: Stipendiatin Jana Lange mit Sohn Jaro bei der Ausstellungseröffnung in der Kunsthalle. Foto:  Rose

Willingshausen. Jana Lange war drei Monate lang in Willingshausen auf Entdeckungsreise: Dabei hat die Künstlerin den Blick darauf gerichtet, was oft verborgen bleibt oder im Verborgenen liegt. Wie etwa Fische, die in der Marmelade schwimmen - sie geben der Ausstellung der Stipendiatin den Namen. Am Donnerstagabend wurde die Werkschau in der Kunsthalle eröffnet.

Kurator Bernhard Balkenhol erzählte den Gästen mehr über Fische, über Tiere im weiteren Sinne und über Jana Langes Talent, genauer hinzusehen. Schon lange werfe die Künstlerin ihren Blick auf Tiere und Menschen, Situationen und Orte: „Sie erforscht, wie einfühlsam sie sich mit ihrer Kamera verhalten kann.“ Ihre Bilder zeugten deshalb von besonderer Nähe. „Das Fell eines Tieres nimmt sie auf, wie sie ihre eigene Haut fühlt“, verdeutlichte der Kurator. Fotos würden „geschossen“ – das, was sie zeigten, sei quasi tödlich getroffen. „Die Kamera hält uns auf Distanz, nimmt die Schuld auf sich. Das tut dem Betrachter gut.“ Das Motiv liege nicht vor der Kamera, sondern in Jana Lange selber. „Alles Gegenüber muss durch sie hindurch - emotional, körperlich, gedanklich.“ Die Körperhaltung des Anderen, ob Mensch oder Tier, nehme - im Ausschnitt konzentriert - ihre Befindlichkeit an. Lange mache mit ihren Bildern bewusst, wer wen und wie ansieht und sich ansehen lässt.

In Willingshausen habe Lange nach Alternativen gesucht, mit Tieren im Einklang zu leben. Sich Fragen nach dem Respekt vor Natur und Tier gestellt. Aber die Künstlerin starte mit ihren Fotos keine Kampagne für den Tierschutz: „Es geht um den genauen Blick und um Anteilnahme“, sagte Balkenhol. Vom Weg ins Dorf suchte Jana Lange auch den Weg ins Weltall. Ihre Ausstellung zeigt einen Dialog von Aufnahmen, in denen man das Kornfeld oder das Fell einer Kuh förmlich riechen kann. Daneben aber auch Aufnahmen aus der Perspektive eines Satelliten. „Und je mehr dieser Blick die Welt relativiert und den Betrachter ins Staunen versetzt, umso mehr ist es wahrscheinlich, dass in der Marmelade Fische schwimmen.“ Gleichwohl seien ihre Aufnahmen sehr persönlich. „Man kann nicht zuschauen, man muss hinsehen“, schloss Balkenhol.

Jana Lange ermutigte die Gäste zum Hinsehen und Diskutieren. Über Willingshausen sagte sie: „Ich habe hier Freunde gefunden.“ (zsr)

Quelle: HNA

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