Menschen fühlen sich durch Kontrollen sicherer

Respekt statt Angst zählt: Sicherheitsexperte über Veranstaltungen

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Setzt auf Sicherheit: Dirk Bode von der Schwalmstädter Firma „ProSecure“.

Schwalm-Eder. Nach den Anschlägen in München und Ansbach steht das Thema Sicherheit bei Großveranstaltungen mehr denn je im Fokus. Wir sprachen mit dem Sicherheitsexperten Dirk Bode über Angst und Konsequenzen.

Nach den Anschlägen der vergangenen Tagen und Woche verändert sich der Blick von Sicherheitsfirmen auf die Veranstaltungen, sagt Dirk Bode von der Sicherheitsfirma „ProSecure“.

Sie haben einen gefährlichen Job. Haben Sie nach all den Vorfällen keine Angst? 

Dirk Bode: Nein. Angst ist das falsche Wort. Der Begriff Respekt passt da wesentlich besser. Ich habe tatsächlich Respekt vor der Arbeit. Man sieht ja mittlerweile beinahe jeden Tag, was alles passieren kann, wenn man als Sicherheitskraft seinen Job nicht gut macht.

Was können Sie denn falsch machen? 

Bode: Am Einlass beispielsweise nicht richtig hinsehen. Taschenkontrollen sind da heute selbstverständlich, oft nehmen wir aber auch den Komplettcheck vor, tasten also die Besucher ab. Vor allem aber haben wir auch einen geschulten Blick auf die Menschen, die da vor uns stehen. Das aufmerksame Hinsehen ist extrem wichtig. Wir schauen genau auf Mimik und Gestik der Menschen, die vor uns stehen.

Wer fällt denn da vor allem und als erstes auf? 

Bode: Vor allem Menschen, die nervös sind. Oder die, die trotz Hitze eine dicke Jacken tragen. Oder die nicht ins Erscheinungsbild der sonstigen Gästeschar passen. Mit der Zeit bekommt man da viel Erfahrung. Und die ist wichtiger als vieles andere.

Erfahrung bekommt man nur im Job: Welche Qualifikation muss man vorweisen, wenn man in einer Sicherheitsfirma anfangen will? 

Bode: Viele unserer Mitarbeiter sind Fachkräfte für Schutz oder Sicherheit, manche kommen aus dem Werkschutz. Manche sind auch Quereinsteiger: Sie müssen eine Sachkundeprüfung bei der Industrie- und Handelskammer vorweisen - das ist das Mindeste.

Ziehen Sie denn jetzt Konsequenzen aus den Vorfällen? Rüsten Sie denn zum Beispiel Ihre Ausrüstung auf? 

Bode: Wir werden die Mitarbeiter weiter intensiv schulen, beispielsweise im Verhalten bei Evakuierungen bei Groß- und Sportveranstaltungen. Wir müssen auch schauen, wo und wie Videoüberwachungen eingesetzt werden können. Und wir wollen weiter gut mit den Polizeistationen im Landkreis zusammenarbeiten.

Das klingt super - aber dennoch garantiert das alles noch keine echte Sicherheit. 

Bode: Es gibt keine 100prozentige Sicherheit. Die kann niemand gewährleisten. So viele Kontrollen kann es gar nicht geben, dass wirklich jeder Gefahrenpunkt ausgeschlossen ist.

Sind die Menschen nicht genervt angesichts der vielen Kontrollen? 

Bode: Nein, ganz im Gegenteil! Das war vielleicht früher mal so. Heute ist das Verständnis der Gäste ein ganz anderes. Heute kommen viele sogar schon freiwillig und zeigen ihre Taschen vor.

Das heißt also, dass die Leute heute froh über intensive Kontrollen sind? 

Bode: Ja, das heißt es. Heute stört es keinen mehr, wenn wir bei größeren Veranstaltungen wie Festivals oder vor Stadien Taschen und Rucksäcke durchsuchen. Die Leute fühlen sich dadurch sicherer - zu Recht.

Wahrscheinlich trägt zu diesem Sicherheitsempfinden auch bei, dass da grimmig dreinschauende Sicherheitsleute stehen. 

Bode: Vielleicht, aber von uns schaut niemand grimmig drein. Dienstleistung steht für uns an erster Stelle, wir können auch lächeln. Und das erhöht das Sicherheitsgefühl erst recht.

Wieso? 

Bode: Wenn die Leute sehen, dass der Sicherheitsdienst locker drauf und entspannt ist, wenn wir freundlich zu den Gästen sind, wenn wir gute und verlässliche Ansprechpartner sind - all das gibt den Menschen ein sicheres Gefühl. Die finster dreinblickenden Gestalten mit Bomberjacke und Sonnenbrille, die gab es mal. Die helfen heute aber nicht weiter, wenn es darum geht, Menschen das beruhigende Gefühl zu geben, dass sie sicher sind.

Haben Sie noch einen Tipp, was man als Besucher machen von Veranstaltungen machen soll? 

Bode: Wenn man in ein Stadion oder eine große Halle geht: Schon beim Reinkommen den Fluchtweg einprägen, sich merken, wo ein Feuerlöscher steht und auch wo sich die Notausgänge befinden. Und vor allem: Die Ruhe bewahren. Nichts ist Schlimmer als Panik.

Zur Person 

Dirk Bode (38) hat die Firma „ProSecure“ Sicherheit und Service 2004 in Schwalmstadt gegründet. Er beschäftigt 40 Mitarbeiter, die teils in Voll- und teils in Teilzeit für „ProSecure“ arbeiten. Die Firma ist bei Veranstaltungen und Einlasskontrollen aller Art im Einsatz: Kirmessen, Abifeiern, Konzerten, Fußballspielen.

Quelle: HNA

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