Wiedersehen nach 60 Jahren: Jahrgang 1943/44 traf 91-jährigen Pädagogen wieder

Respekt vorm Lehrer hielt

Erinnerungsfoto: Der Jahrgang 1943/44 mit Klassenlehrer Ernst-Ludwig Glaessner. Bis Mitte der 50er Jahre unterrichtete der Pädagoge an der Treysaer Grundschule. Heute wohnt der pensionierte Lehrer in Marburg. Foto: privat/nh

Treysa. Die Mädchen des Jahrgangs 1943/44 haben Rotz und Wasser geheult, als Klassenlehrer Ernst-Ludwig Glaessner die Grundschule in Treysa verließ. Auch am Dienstagabend verdrückten die Mädchen von damals so manche Träne, Freudentränen. Nach 60 Jahren sahen die ehemaligen Schüler der Treysaer Grundschule ihren Klassenlehrer wieder.

Der Jahrgang selbst ist sich seit der Schulzeit treu: Treffen gibt es im vierteljährlichen Rhythmus. „Ein Schulkamerad hatte schon länger mit unserem Lehrer Kontakt und hat ihn jetzt endlich mal eingeladen“, erzählte Marion Langner.

„Er war nie streng“

Und als er inmitten seiner ehemaligen Zöglinge Platz nahm, da war auch nach sechs Jahrzehnten der Respekt ihm gegenüber zu spüren. „Obwohl er nie ein strenger Lehrer war“, sagte Margit Graf. Und Elke Wolff berichtet: „Er war sehr experimentierfreudig und hat neue Methoden ausprobiert.“ Besonders für die Ganzheitsmethode habe er werben müssen.

„Wenn ich kurz aus dem Raum musste, konnte ich mich verlassen, dass alles ruhig bleibt.“

Lehrer Glaessner

Gern erinnern sich die ehemaligen Schülerinnen auch an Ausflüge: „Höhepunkt war eine Klassenfahrt mit zwei Übernachtungen in Rotenburg“, berichtete Marion Langner. Nie vergessen wird Margit Graf die Umzüge zum Johannisfest. „Ich habe von dieser Klasse viele Werte und Impulse für das Leben bekommen. Sie hat mich sehr geprägt“, meint Ernst-Ludwig Glaessner, der heute 91 Jahre alt ist und in Marburg wohnt.

Nach seinem Studium in Kassel kam er als junger Mann 1949 in die Schwalm, „buchstäblich pädagogisch vollgepumpt“, blickt er zurück. Diese Klasse, die erste nach dem Krieg, habe er bis in die Fünf begleitet. „Der persönliche Kontakt zu meinen Schülern war mir dabei immer wichtig“, sagt er. Er könne sich zum Beispiel an keinen einzigen Streich erinnern, dem ihm die Kinder jemals gespielt hätten. „Wenn ich kurz aus dem Raum musste, konnte ich mich hundertprozentig verlassen, dass alles ruhig bleibt“, erzählte Glaessner.

Bis 1955 in der Schwalm

Wiedererkannt hat er nach all den Jahren aber keinen mehr. „Es waren ja noch Kinder, heute sind sie Senioren – und jeder hat sich stark verändert.“

Vom Wesen her wenig verändert habe sich hingegen ihr Klassenlehrer – darüber waren sich seine Schüler allesamt einig. „Er hat einen unglaublich wachen Blick, ist rege und an allem interessiert“, freute sich Marion Langner.

Ernst-Ludwig Glaessner blieb bis 1955 in Treysa. Weitere Stationen seines Berufslebens waren Wabern, Gudensberg, Korbach, Marburg und Darmstadt. Seine Bilanz des Klassentreffens nach 60 Jahren: „Mit so einem großen Bahnhof hätte ich gar nicht gerechnet – aber ich habe mich riesig gefreut.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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