Jahrhunderte alte Schätze

Restaurierung fällig: Tonnenschwere Grabsteine am Haken

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Kraftakt: Paul Bächt (hinten) setzt eine Eisenstange als Hebel an, um den tonnenschweren, bemoosten Grabstein soweit anzuheben, dass sein Kollege Milan Waldeck die Transportgurte für den Kran unterziehen kann. 

Wolfhagen. Die Jahrhunderte alten Grabsteine der Wolfhager Papiermacher-Familie Scheurmann wurden vom Schützeberg abtransportiert, um sie aufzuarbeiten.

Ohne schweres Gerät ginge hier oben nichts: Zwischen 1,4 und knapp zwei Tonnen wiegen die sieben Grabsteine, die über Jahrhunderte auf dem Friedhof auf dem Schützeberg vor den Toren Wolfhagens schlummerten und nun zum Restaurieren in die Werkstatt des Elbenberger Steinmetzmeisters Uwe Bächt transportiert werden.

Über die Wintermonate wird der im Umgang mit solchen alten Kunstwerken erfahrene Handwerker die stark verwitterten Inschriften aufarbeiten. „Da, wo die Schrift nicht mehr erkennbar ist, wird sie nach alten Vorlagen wieder eingearbeitet“ sagt der 51-jährige Bächt. „Wappen und Ornamente“, so die Einschätzung des Experten, „sind noch in sehr gutem Zustand“.

Nachfahre als Auftraggeber

Es gebe allerdings auch ein paar Fehlstellen. Wie man mit ihnen umgehen werde, sei noch in einem Gespräch mit dem Auftraggeber zu klären. Der ist ein Nachfahre jener auf dem einst so bedeutenden Schützeberg bestatteten Menschen, für die die Grabsteine vor langer Zeit angefertigt wurden. Sie alle gehören zur Sippe der Scheurmanns, einer Papiermacher-Familie, die es Dank ihrer Handwerkskunst zu großem Wohlstand brachte.

Das älteste Grabmal ist Michael Scheurmann gewidmet, der im Dezember 1672 im Alter von 64 Jahren starb. Seine Ehefrau Catharina wurde 1693 neben ihm begraben. Alle sieben Steine tragen reiche Ornamente und das Wappen der Familie: den Anker als christliches Symbol der Hoffnung, der Zuversicht und des Heils.

Ab geht die Reise: Mit einem Kran wird ein Stein nach dem anderen vom Friedhof gehoben und auf einem Lastwagen geladen.

„An den Ornamenten kann man den Reichtum der Familie ablesen“, sagt Richard Mangold, Vorsitzender des Wolfhager Heimat- und Geschichtsvereins. Über ihn hatte der Nachfahre der Scheurmanns Kontakt nach Wolfhagen aufgenommen. Dieser Spross der Papiermacher-Dynastie tat es im Auftrag seines Großvaters, wie Mangold berichtet. Der in Berlin lebende Senior hatte schon vor 20 Jahren die Restaurierung zweier Scheurmannscher Grabsteine finanziert, die heute nicht mehr auf dem Schützeberg zu finden sind, sondern das Lapidarium des Regionalmuseums Wolfhager Land schmücken.

Weitere fünf Grabmäler der Scheurmanns sind auf dem Friedhof von Schloss Elmarshausen zu finden. Denn: Neben der Papiermühle am Fuße des Schützebergs betrieben Mitglieder der Sippe eine weitere neben dem herrschaftlichen Anwesen derer von der Malsburg.

„An den Ornamenten kann man den Reichtum der Familie ablesen.“

Urkundlich belegt ist, dass Papiermacher aus der Familie der Scheurmanns in der Region sieben Mühlen betrieben, die beiden Wolfhager Mühlen in ununterbrochener Generationenfolge über gut 200 Jahre. Den Niedergang brachte im 19. Jahrhundert die industrielle Herstellung des Papiers.

An die Familie, der nachgesagt wurde, dass sie das beste Papier weit und breit herstellte, erinnern heute in Wolfhagen allein die Grabsteine, die die Jahrhunderte überstanden haben und im Zuge der anstehenden Arbeiten auch folgende Generationen an die Scheurmanns erinnern sollen.

Im Frühjahr, wenn der steile Weg hoch zum Schützeberg wieder befahrbar ist, werde man die restaurierten Kunstwerke aus Sandstein wieder an ihre angestammten Plätze bringen, sagt Meister Bächt. Mit schwerem Gerät und voller Hochachtung für die Leistung ihrer Schöpfer.

Quelle: HNA

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