Katrin Berg ist die einzige DRK-Zugführerin im Schwalm-Eder-Kreis

Retter hören auf ihr Kommando

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Katrin Berg

Ottrau. Massenkarambolagen, Zugunglücke, Industrieunfälle: Wenn der Alarmmelder von Katrin Berg losgeht, ist meist etwas Schlimmes passiert. Die 29-Jährige aus Ottrau ist DRK-Zugführerin des Sanitätszugs Süd. Sie ist im Schwalm-Eder-Kreis die einzige Frau in dieser Position, hessenweit gibt es nur drei weitere weibliche Zugführer beim Roten Kreuz.

25 Einsatzkräfte aus Frielendorf, Ottrau, Willingshausen und Ziegenhain zählen zum Sanitätszug. Dafür üben die Einsatzkräfte mehrmals im Jahr. „Doch jeder Einsatz ist anders, jeden Tag kann etwas passieren, womit niemand gerechnet hat“, erklärte Berg, die bereits im Alter von acht Jahren beim Jugendrotkreuz anfing.

Ihre Feuertaufe kam pünktlich. Gerade sieben Wochen war sie im Amt, als die Sanitäter zu einem Chemieunglück in Homberg gerufen wurden. „Und in 30 Jahren zuvor wurde der vollständige Zug nicht ein einziges Mal alarmiert“, erzählte die Ottrauerin. Viel Zeit für Aufregung sei ihr dabei nicht geblieben.

„Der Alarm kam mitten in der Nacht, der Einsatz dauerte viele Stunden“, erinnert sie sich. Die Nachbetrachtung des Unglücks in den Folgetagen, die Berichte und Besprechungen, hielten sie weiter auf Trab. „Allein hätte ich aber nichts bewegen können“, so Berg, sie müsse sich auf ihr Team verlassen können.

„Seit ich Zugführerin bin, habe ich schon etwas mehr zu tun“, bestätigte die 29-Jährige. Die zusätzliche Arbeit für das Rote Kreuz muss sie mit ihrem Beruf koordinieren. Sie arbeitet als Industriekauffrau bei Freudenberg in Treysa, vor einigen Jahren bildete sie sich zur Industriefachwirtin weiter. „Wenn ich zu einem Einsatz muss, werde ich von meinem Arbeitgeber freigestellt, das ist kein Problem.“

Abends kümmert sie sich dann um die Belange des Sanitätszugs, sorgt für die notwendige Ausbildung der Helfer, organisiert Übungen und wertet diese aus, behält Inventar und Ausrüstung im Blick.

Ihr Tag ist lang, doch auf Hobbys verzichten, will die Zugführerin deshalb nicht. Sie spielt im Posaunenchor Ottrau und ist Kassiererin in einem kleinen Verein. Ihr Lebensgefährt zeigt Verständnis: „Er ist selbst Wehrführer bei der Feuerwehr und kennt den Zeitmangel.“

Mit ihm habe sie auch über den neuen Posten als Zugführerin gesprochen. „Er hätte mich zwar nicht davon abhalten können“, betonte sie lachend, „aber ich habe mir in mehreren Gesprächen, auch mit den Gruppenführern, Rat eingeholt.“ Denn Bedenken habe sie schon gehabt. Insbesondere, ob Männer eine jüngere Frau als Zugführer akzeptieren. „Doch bisher läuft es gut.“

Nur der Nachwuchs beim Roten Kreuz mache ihr Sorgen. „Immer weniger Kinder und Jugendliche kommen zum Jugendrotkreuz, daran müssen wir arbeiten.“ Von Sebastian Lammel

Quelle: HNA

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