Rettungsassistenten aus dem Schwalm-Eder-Kreis retten im Takt der Beatles

Homberg. Die leblose Person liegt auf dem Wohnzimmerteppich, die Rettungssanitäter fordern den Notarzt an. Von der Leitstelle kommt die Antwort, dass kein Notarzt verfügbar ist, die Rettungssanitäter sind auf sich allein gestellt.

Dieses Szenario übten Rettungssanitäter und -assistenten des Schwalm-Eder-Kreises bei einer Fortbildung in der Homberger Rettungswache des Deutschen Roten Kreutzes (DRK) unter ärztlicher Leitung von Dr. Hartmut Lotz.

Eine Woche lang lernten sie Wiederbelebungstechniken wie die künstliche Beatmung mit Atemgeräten, Herzdruckmassage und die Anwendung eines Defibrillators, der durch Stromstöße tödliche Herzrhythmusstörungen wie das Kammerflimmern beenden kann. Auch das Anlegen von Infusionszugängen und die Schienung von Gliedmaßen gehörten zum Fortbildungsprogramm.

Für den Fall, dass der diensthabende Notarzt gerade bei einem anderen Einsatz einen Patienten behandelt und nicht rechtzeitig vor Ort sein kann, sollen die Ersthelfer gut geschult sein, erklärte Lotz. Anhand von Checklisten wurde der Ablauf am Einsatzort überprüft, eine computergesteuerte Trainingspuppe simulierte den Ernstfall und diente bei der Dokumentation der Wiederbelebungsmapnahmen. Zuerst erfasst das Rettungspersonal die Vorgeschichte. Die Situationen ähneln sich: Eben noch saß der Großvater gesund am Tisch, plötzlich fällt er leblos vom Stuhl. Häufig seien bei älteren Menschen Herzrhythmusstörungen mit Herzstillstand die Ursache, eräuterte der Mediziner. Dann zähle jede Sekunde: Time is brain – Zeit ist Gehirn.

Das wichtigste sei, die Blutzirkulation mittels Herzdruckmassage in Gang zu halten, bis der Rettungswagen käme. Drücken, dücken, drücken, sagte Lotz, und zwar mit den Übereinander gelegten Händen auf dem Brustbein des Patienten im Takt des Beatles-Songs „Yellow submarine“. Der Gasaustausch in der luftgefüllten Lunge funktioniere beim Herzstillstand zwar zunächst weiter, aber damit das sauerstoffreiche Blut auch in den Organen ankomme, müsse das Blut durch die Druckmassage weitergepumpt werden.

Am empfindlichsten reagiere das Gehirn auf Sauerstoffmangel: Ohne Versorgung gehen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand mit jeder Minute etwa zehn Prozent des Hirngewebes für immer verloren. Wer die Mund zu Mund-Beatmung gelernt hat, kann zusätzlich den Patienten beatmen. Das Rettungspersonal übernimmt dann die Druckmassage, sorgt für die Sauerstoffversorgung und kann im Ernstfall das Herz defibrillieren.

Ist der Patient stabil, wird er ins Krankenhaus transportiert. Die Rettungskräfte bewerteten die Fortbildung im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen 38,5 Stunden Weiterbildung im Jahr positiv: „Man kann Vieles mitnehmen“, meinte Eugenia Stuckert, Rettungsassistentin aus Ziegenhain. Gut gefielen ihr die Übungen anhand von Fallbeispielen, mit denen der Ernstfall simuliert wurde. Denn neben der Beherrschung von medizinischen Maßnahmen für die Erstversorgung müssen die Rettungskräfte auch die Situation erfassen und mit ihr umgehen können. Dazu gehören auch Einsätze an sozialen Brennpunkten, bei denen die Retter neben der Versorgung des Patienten auch an ihre eigene Sicherheit denken müssen.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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