Anneliese und Erich Seibel aus Neukirchen

Jawort vor 60 Jahren: Ihr Rezept heißt Toleranz

Hochzeitstag: Getraut wurden beide in Niedergrenzebach.

Neukirchen. Durch ein offen stehendes Fenster sah Erich Seibel seine Anneliese zum ersten Mal: Der Schornsteinfeger-Geselle arbeitete an diesem Tag im Jahr 1951 in Seigertshausen, wo Schneiderin Anneliese Flach aus Niedergrenzebach gerade ein Konfirmationskleid absteckte.

„Ich fragte meinen Kumpel, wer denn das hübsche Mädchen sei“, erinnert sich Erich Seibel (85). Hübsch findet der Neukirchener seine Frau bis heute – seit 1953 sind die Seibels ein Ehepaar. Heute feiert das Paar aus Neukirchen Diamantene Hochzeit.

Geheiratet wurde an einem kalten Februartag in Niedergrenzebach: „Mein Strauß Flieder ist auf dem Weg zur Kirche erfroren“, erzählt Anneliese Seibel (82). Bis September des selben Jahres lebten die Frischvermählten in Niedergrenzebach, wo Anneliese ihre Mutter pflegte. Dann bekam ihr Mann Arbeit als Bezirksmeister in Frielendorf. Bald kündigte sich Nachwuchs an. Der erste Sohn kam 1954, ein zweiter 1960 zur Welt.

Freuen sich auf eine Feier mit Familie und Freunden: Anneliese (82) und Erich (85) Seibel aus Neukirchen haben im Februar 1953 geheiratet.

Weil das Ehepaar in Neukirchen bauen wollten, verdiente es sich beim Bedienen im Weinzelt auf der Treysaer Kirmes etwas hinzu. Anneliese Seibel half beim Kartoffellesen, bei Hochzeiten und Familienfesten. Erich Seibel bewirtschaftete zusammen mit einem Freund eine Würstchenbude an der Bundesstraße zwischen Leimsfeld und Frielendorf – „die betreiben heute andere, aber der Standort ist geblieben“, erklärt der 85-Jährige.

Anfang der 60er Jahre zog die Familie ins Eigenheim nach Neukirchen. Auch dort wartete viel Arbeit, ein großer Garten. In der knappen Freizeit hatte Anneliese Spaß am Handballspielen, an Gymnastik, am Kegeln. Erich Seibel engagierte sich in der Feuerwehr, im Gesangverein und in der Kommunalpolitik, viele Jahre war er Imker.

Auch der Beruf forderte den Neukirchener sehr. Er entwickelte unter anderem neuartige Brennkammern für Heizkessel, die er in den Tonwerken Großalmerode herstellen ließ und teilweise selbst auslieferte: „Von Stockach im Süden bis Elmshorn im Norden“, sagt Seibel. „Für die Familie blieb wenig Zeit“, gibt er zu. Heute freuen sich die Seibels umso mehr, dass beide Söhne samt Familie noch in Neukirchen wohnen. Die beiden Enkeltöchter leben in Südhessen.

Verlässlichkeit, aber auch viel Toleranz seien das Rezept für ihre lange Ehe, sagen

beide: „Wir haben uns immer gut ergänzt und uns gegenseitig mit Respekt behandelt.“ Feiern wollen die Jubilare am Samstag, dem Tag ihrer kirchlichen Hochzeit und gleichzeitig Erichs 85. Geburtstag. Mit 30 Gästen möchte das Paar dann im Hotel Combecher anstoßen.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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