JVA Schwalmstadt

JVA Schwalmstadt: Richter wachen über Leben im Strafvollzug

Schwalmstadt/Marburg. Sie verfügen über vorzeitige Haftentlassungen, überprüfen die Ausstattungen von Gefängniszellen und entscheiden über Zwangsbehandlungen: 1400 Entscheidungen fällen die Richter der Strafvollstreckungskammer Marburg im Jahr.

Der Spruchkörper des Landgerichts Marburg entscheidet über annähernd alle Fragen, die im Zusammenhang mit Inhaftierten der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt entstehen. Zuständig ist die Kammer aber auch für die Patienten der gerichtlichen Psychiatrie in Haina . „Wir sind dabei, Sozialarbeiter zu werden“, sagt Dr. Thomas Wolf, Vorsitzender Richter der Strafvollstreckungskammer. Denn bei ihren Entscheidungen stützt sich die Kammer auf psychologische Gutachten, bewertet Therapiekonzepte und hat mögliche künftige Straftaten im Blick.

Die Richter entscheiden über Haftlockerungen, Ausführungen - allein oder gefesselt, beschäftigen sich aber auch mit der Umgebung der Gefangenen bis ins Detail. Urlaub, Verlegung in andere Anstalten, Entlohnung - eigentlich gebe es nichts, was nicht an bei der Strafvollstreckungskammer landen könne, sagt Jörg Bachmann, Leiter der JVA Schwalmstadt. Gegenstand von Verfahren könne der Härtegrad einer Matratze ebenso sein wie ein Scheinwerfer, durch dessen Lichtschein in seinen Haftraum sich ein Gefangener gestört fühlte. Ein Inhaftierter habe auf diesem Wege gar die Überlassung einer sogenannten „Weizensaftpresse“ erreichen wollen.

Derzeit reicht der Arm der Marburger Kammer sogar bis ins südhessische Weiterstadt: In der dortigen Außenstelle des Schwalmstädter Gefängnisses sind übergangsweise Hessens Sicherungsverwahrte untergebracht. Als „große Leistung der Schwalmstädter JVA“ wertet es Wolf, dass sich keiner der Sicherungsverwahrten im Zusammenhang mit seiner Verlegung beschwert habe.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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