Nabu-Stiftung will ehemaligen Standortübungsplatz übernehmen

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Abwechslungsreiches Gelände: Der Seilerberg oberhalb Ehlens wurde bis zum Beginn der 1990er Jahre als Standortübungsplatz militärisch genutzt. Jetzt will die Nabu-Stifung Hessisches Naturerbe die Fläche übernehmen und für deren Schutz sorgen.

Ehlen. Der ehemalige Standortübungsplatz Seilerberg oberhalb Ehlens ist für Naturschützer ein großer Brocken. Deshalb hat jetzt die Nabu-Stiftung Hessisches Naturerbe großes Interesse an der 180 Hektar großen Fläche angemeldet.

Stiftungsvorsitzender Hartmut Mai hofft, das artenreiche Gelände noch in diesem Jahr vom Bund übertragen zu bekommen.

Wie Mai sagte, habe die Stiftung in ganz Hessen 36 eigene Flächen, auf denen sie dem Naturschutz viel Raum gibt – in der Summe seien das etwa 500 Hektar. „Der Seilerberg wäre ein riesiges Stück Naturschutz“, so der Stiftungschef.

Botanisch interessant sei der einstige Übungsplatz aufgrund der Vielfalt verschiedener kleinteiliger Lebensräume, sagt Mark Harthun, Stellvertretender Landesgeschäftsführer des Nabu Hessen. Nasse und trockene Areale befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Nährstofffreiche und mager Bereiche wechseln einander ab. Es gibt lichte Wiesen und dunkle Wälder.

Im Sommer duftet Thymian

Die Vielfalt der Standorte und die schonende Nutzung des Geländes in den zurückliegenden Jahren als Weide haben zu einer enormen Artenvielfalt geführt. So wurde die Fläche nie gedüngt. Im Juni und Juli akzentuiert die blühende Heide-Nelke die Landschaft mit rosa Tupfern, und auf Schotterflächen duftet im Sommer der Thymian. Der Große Wiesenknopf und verschiedene Gräser machen den Sailerberg für Weidetiere interessant. Die Stiftung plant die Zusammenarbeit mit einem regionalen Landwirt, der seine Tiere auf die Flächen treibt. Sie sollen den Charakter der Offenlandschaft erhalten. Details würden im Laufe des Jahres entwickelt, sagt Mai. Das Ziel: Der Bauer soll mit seiner Arbeit am Seilerberg in die Lage versetzt werden, einen lohnenden Ertrag zu erwirtschaften.

Geplant sei zudem, einzelne Fichtenriegel und Gehölze zu beseitigen, die während der militärischen Nutzung des Geländes angepflanzt worden waren. In Rohre gefasste Bäche und Wasserläufe sollen aus ihrem künstlichen Korsett befreit, die Warmequelle geöffnet werden. Bereits jetzt leben dort Insekten, Kammmolche, Grasfrösche und Erdkröten. Die Gelbbauchunke, so hofft Mai, könnte ebenfalls in den Lebensraum zurückfinden.

Sanfter Tourismus

Nach den Plänen der Stiftung soll der Seilerberg den Status eines privaten Naturschutzgebietes erhalten. Er ist Bestandteil des FFH-Gebietes Habichtswald. Eine touristische Nutzung werde es auch künftig geben, sagte Mai. Wanderwege würden bleiben und wenn diese für Radfahrer offen seien, werde sich auch daran nichts ändern. Querfeldein-Aktivitäten allerdings würdeb nicht toleriert werden. Und Windräder werde es ebenfalls nicht geben.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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