Köhlerfest in Jesberg: Altes Handwerk hilft den Menschen in Bangladesch

Rikscha hielt am Meiler

Rikschafahrt: Kerstin Zülch und Ger van Marion radeln für den guten Zweck. Fotos: Mangold

Jesberg. Der Gegensatz hätte nicht größer sein können: Eine lila Rikscha sorgte beim traditionellen Köhlerfest im Jesberger Wald für großes Aufsehen, als sie am qualmenden Meiler vorfuhr. Ger Van Marion vom Europäischen Köhlerverein (EKV) aus den Niederlanden warb so mit dem Gefährt um Spenden für Menschen in Bangladesch.

Was auf den ersten Blick überraschte, hatte durchaus seinen Sinn. Van Marion weiß durch sein soziales Engagement um das Problem der teuren Holzkohle in dem kleinen asiatischen Land. „Holzkohle braucht man überall“, erklärte er. In Bangladesch produzierten die Menschen ein Kilo Kohle aus zehn bis 15 Kilo Holz, der Jesberger Köhlerverein benötige dafür nur sieben Kilo. Von diesem Wissen sollen die Menschen in Bangladesch profitieren.

Handwerkskunst zeige

Van Marion will ihnen zeigen, wie man mit der alten Handwerkskunst einen Meiler errichtet, um Holzkohle nachhaltiger und billiger herzustellen. Die gesammelten Spenden sollen den Menschen zudem helfen, Verantwortung für sich zu übernehmen und mit der eigenen Rikscha ihre Familie zu ernähren. Das ist Teil des Projektes „one world experience“, das der Niederländer unterstützt.

Die Vorsitzende des Jesberger Köhlervereins, Kerstin Zülch, war sofort dabei und drehte mit Ger Van Marion eine Runde auf der farbenfrohen Rikscha. Sie hat gerade den Vorsitz von ihrem Vater Norbert Gepperth übernommen, der für seine Verdienste vom Europäischen Köhlerverein zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Das traditionelle Fest, das der Köhlerverein Jesberg jedes Jahr auf dem Platz am Diebelsborn veranstaltet, wurde gut besucht Die Meisten ließen das Auto auf den Parkplätzen in Hundshausen und Sebbeterode stehen und fuhren mit dem Shuttle-Bus hoch in den Wald zum Festplatz.

Meisterschaft im Holzhacken

Viele nutzten das Fest für einen Familienausflug. „Es ist immer schön hier“, sagte Gabriele Finke, die mit ihrem Mann und Sohn Sören von Jesberg zum Köhlerfest geradelt war, um bei den vierten Diebelsborner Holzhackmeisterschaften zuzuschauen. Man solle die Feste in der Umgebung besuchen, um die Vereine zu unterstützen, meinte sie. Neben den Holzhackmeisterschaften schauten sie auf den qualmenden Erdmeiler, der auf traditionelle Art im Wald aufgeschichtet wurde. Wo Holz zu Kohle verkohlte, gab es eine nachgebaute Köhlerhütte, in der die Kinder spielten.

Der Verein informierte dort über das Köhlerhandwerk und der Hessenforst stellte Neues zum Thema Nachhaltigkeit aus. Die Köhler servierten selbstgebackenes Brot und eigens hergestellte Wildschweinwurst und schenkten dazu den „Köhlerschweiß“, das traditionelle schwarze Bier aus.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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