Mit Ringelnatz auf Reisen: Sommerfest der Bücherei Mander in Nothfelden

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Sorgten für die musikalische Untermalung: Die „Drunken Sailors“ mit von links Norbert Schröder, Siegfried Heinicke, Helmut Uthof.

Nothfelden. Laue Sommernacht und eine leichte Brise verwöhnten die hundert Besucher im Hof von Thomas Emde in Nothfelden am Freitagabend.

Es fehlte nur das Rauschen der Wellen und der Sand unter den Füßen beim Sommerabend der Buchhandlung Mander und dem Besitzer des „Rümpelstübchens". Eine Lesung mit Ute Fritsch aus Berlin und der musikalischen Begleitung durch die „Drunken Sailors" standen an.

Vor einer Foto- und Kartenwand über Hiddensee saß Ute Fritsch, Inselführerin und Verlegerin, standesgemäß im Strandkorb und nahm die hundert Besucher mit auf einen poetischen Spaziergang auf die kleine Insel westlich von Rügen. Während sie aus ihrem Buch „Mit Ringelnatz auf Hiddensee“ mit weicher, klarer Stimme vorlas, tauchte die Insel quasi vor den Augen der Zuhörer auf. Dabei rezitierte sie bekannte Gedichte von Ringelnatz wie die „Schnupftabakdose“, „Ein Nagel saß in einem Stück Holz“ und das über einen „armen Sauerampfer“.

In Frischs Buch dreht sich alles um Hiddensee und um die innige Freundschaft zwischen Asta Nielsen (1881-1972), dänischer Stummfilmstar, und Joachim Ringelnatz (1883-1934), Maler, Kabarettist und Schriftsteller. Ringelnatz war öfters zu Gast bei Asta Nielsen, die ein Haus auf der Insel besaß.

Las aus ihrem Buch: Ute Fritsch.

Die Autorin hat viele Geschichten, Tagebucheintragungen, Fotos, Dokumente, Aussagen von Zeitzeugen und vor allem Gedichte von Ringelnatz zusammengetragen und in ihrem neuestem Buch veröffentlicht. Dabei entsteht ein Bild von Ringelnatz, dem ewig alten Kind, klein, mager, mit zu großer Nase, aber schönen dunkelblauen Augen. Asta Nielsen beschrieb ihn als „unfertig, gegensätzlich und unsentimental“.

Ringelnatz hatte schon 35 Berufe und ein wenig erfolgreiches Leben als Kabarettist in München hinter sich, als er seinen Durchbruch in Berlin ab 1930 erlebte. Dort etablierte er sich in berühmten Künstler- und Kabarettkreisen. Der Machtergreifung der Nazis in Deutschland veränderte sein Leben schlagartig. Er hatte sich schon früh gegen das Hitler-Regime ausgesprochen. Als Folge davon bekam er Auftrittsverbot, was ihn in den finanziellen Ruin trieb. Zudem erkrankte er an Tuberkulose und starb 1934 mit nur 51 Jahren. Die „Drunken Sailors“ ließen den wunderschönen Abend mit Ringelnatz’ Lieblingslied „La Paloma“ ausklingen.

Service: Das Buch „Mit Ringelnatz auf Hiddensee“ ist im September 2014 erschienen und kostet 19,80 Euro.

Von Ursula Neubauer

Quelle: HNA

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