Jungvögel in Ziegenhain bekamen Erkennungsmerkmale

Am Ringweg gab’s Ringe für die Störche

Ziegenhain. Ganz still und regungslos liegen die vier Jungstörche in ihrem Nest. Langsam heben und senken sich ihre Körper - sie verharren in einer Schockstarre.

Vor fünf Wochen sind sie geschlüpft, jetzt haben sie ihre Erkennungsmerkmale bekommen: in Form von Ringen.

Die vier kleinen Störche vom Horst am Ringweg in Ziegenhain wurden am Montag beringt. Im Altkreis Ziegenhain gab es erstmals im vergangenen Jahr eine solche Beringung von Jungstörchen. Um an die Vögel am Ringweg heranzukommen, sind Dr. Wulf Rheinwald, Vogelschutzbeauftragter des Naturschutzbundes in Schwalmstadt, Hans-Jörg Keller von der Feuerwehr Ziegenhain und Vogelexperte Thomas Weiß mit einem Hubsteiger der Feuerwehr hochgefahren.

Erkennungsmerkmal: Einer der vier Jungstörche bekam seinen Ring am Boden.

Thomas Weiß ist ein sogenannter Beringer in Hessen und wurde vom Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven, der Vogelwarte Helgoland, ausgebildet. Er befestigte die Ringe an den Jungvögeln. „Die Störche verfallen in eine Schockstarre, wenn wir uns nähern. Das macht ihnen aber nichts“, erklärte Weiß. Dadurch konnte er die Ringe in wenigen Sekunden anbringen und einen Jungstorch kurz mit zum Boden nehmen - zur Freude einiger Beobachter, die dadurch die Beringung deutlich sehen konnten. Der Altstorch saß solange auf einem benachbarten Dach und flog später zurück zum Nest.

Der Mutterstorch: Blick auf den Horst am Ringweg.

„Es ist wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Wenn die Störche zu alt und groß sind, verfallen sie nicht mehr in die Schockstarre und können sich verletzen“, sagte der Schwalmstädter Vogelexperte Heinz Stübing. Um die fünfte Woche herum solle der Ring angebracht werden. Er wird über dem Sprunggelenk von zwei Seiten ineinander geklipst, sodass er nicht mehr verrutscht und gut erkennbar ist. Der Ring dient zur Identifizierung: Das Kürzel der Vogelwarte, von der er stammt, und eine Nummer sind abzulesen. Anhand von Meldungen über die Aufenthaltsorte der Vögel, kann das Verhalten erforscht werden. Das sei vor allem in Zeiten des Klimawandels interessant, sagte Stübing.

Alle drei Horste im Altkreis Ziegenhain sind in diesem Jahr von Brutpaaren besetzt, doch nur die vier Jungstörche in Ziegenhain wurden beringt. Das Storchenpaar an der Kläranlage in Loshausen habe keine Jungstörche groß gezogen und im Horst an der ehemaligen Molkerei in Loshausen gebe es drei Jungstörche, doch das Nest sei zu hoch, sagte Stübing. „Die Jungstörche in Ziegenhain sind kräftige Kerlchen“, erklärte der Vogelexperte, „sie werden bald anfangen, ihre Flügelmuskulatur zu trainieren, bevor sie in wenigen Wochen flügge sind“.

Quelle: HNA

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