Gefährdung im Straßenverkehr: Angeklagter konnte sich nicht erinnern

Riskant die Laster überholt

Treysa. Gut drei Stunden dauerte ein Prozess gegen einen ehemaligen Geschäftsmann aus dem Altkreis Ziegenhain. Laut Staatsanwaltschaft soll der 50-Jährige im vergangenen Herbst auf der Bundesstraße zwischen Schrecksbach und Alsfeld durch grob fahrlässige Fahrweise einen Unfall verursacht haben.

An einer unübersichtlichen Stelle habe er zwei Lkw überholt. Ein entgegenkommendes Fahrzeug musste ausweichen, geriet ins Schleudern und prallte gegen einen der Lkw. Dabei wurden eine junge Mutter und ihr Sohn verletzt. Ohne sich um den Unfall zu kümmern, sei der Mann einfach weitergefahren, zitierte der Staatsanwalt aus der Anklageschrift.

Im Laufe der Verhandlung vor dem Amtsgericht Schwalmstadt wurden sieben Zeugen gehört, Landkarten und gezeichnete Skizzen in Augenschein genommen und mit Modellautos die Unfallsituation nachgestellt.

Der Angeklagte stritt den ihm zur Last gelegten Vorfall bis zum Schluss ab. Er sei zwar zum fraglichen Zeitpunkt die Strecke gefahren, könne sich aber an keine Besonderheit erinnern. „Ich habe von diesem Unfall erst erfahren, als Polizisten bei mir an der Arbeit waren“, erklärte der Mann.

Als ersten Zeugen hörte das Gericht den am Unfall beteiligten Lkw-Fahrer. Er habe sowohl das überholend schwarze Auto, wie auch den entgegenkommenden Corsa gesehen. Um Schlimmeres zu verhindern, habe er sofort abgebremst, sage der 53-Jährige: „Ich stand ja fast.“

Zwei von der Verteidigung präsentierte Zeugen konnten nicht zur Entlastung des Angeklagten beitragen. Im Laufe der Verhandlung äußerte der Staatsanwalt ernsthafte Zweifel, ob sich die Männer überhaupt im Auto des Angeklagten befanden.

Opfer wich in Graben aus

Nur durch ein beherztes Lenkmanöver habe sie einen Zusammenstoß verhindern können, berichtete das 31-jährige Unfallopfer im Zeugenstand: „Ich habe zu meinem Kleinen gesagt: Wir müssen in den Graben ausweichen. Halt dich fest.“ In Erstaunen versetzte das Gericht die Tatsache, das die Versicherung des Angeklagten den Schaden der Frau bereits bezahlt hatte.

Eine weitere Zeugin erzählte dem Gericht von der aggressiven Fahrweise des Angeklagten. Bereits vor dem Unfall sei dieser dicht aufgefahren und habe gedrängelt. Aus diesem Grund habe sie sich wohl auch das Kennzeichen gemerkt, sagte die junge Frau.

Für sein grob fahrlässiges Verhalten im Straßenverkehr verurteilte das Gericht den Angeklagten zu 80 Tagessätzen a 13 Euro. Darüber hinaus muss der Mann für weitere acht Monate den Führerschein abgeben. Man habe vier Zeugen, welche unabhängige voneinander dasselbe gesagt haben, erklärte der Richter: „Warum sollten die die Sache so schildern, wenn es nicht so gewesen war.“

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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