Risse gefährden Kirche in Böddiger

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Die Idylle trügt: Die Friedenskirche bildet den Mittelpunkt des Dorfes Böddiger, das sich noch vor der Gebietsreform mit Lohre freiwillig der Stadt Felsberg anschloss. Von außen sieht man dem Gotteshaus die schweren Bauschäden nicht an. Kleines Bild: Daumendicke Risse unter dem Turm: Nicht nur an dieser Stelle wird immer deutlicher sichtbar, dass das Sandsteinmauerwerk schwere Schäden hat.

Böddiger. Kirchenvorstand, Pfarrer und Dekan sind sich einig: Die dringend notwendige Sanierung der Friedenskirche in Böddiger muss schnellstmöglich beginnen.

Die Risse im Sandsteingemäuer des 1799 vollendeten Gotteshauses werden als immer bedrohlicher bezeichnet. „Ich habe Angst in der Kirche“, sagt ein Kirchenvorstandsmitglied. Die Kosten werden auf knapp eine halbe Million Euro geschätzt. Noch fehlt das Geld.

Namens der Kirchenvorstanes hat der neue Pfarrer für Felsberg und Böddiger, Ernst-Friedrich Schluckebier, Dekan Rudolf Schulze gebeten, alles zu unternehmen, dass das Bauvorhaben möglichst bald in das Förderprogramm der Landeskirche aufgenomnmen wird. „Das Vorhaben darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Schluckebier: „Die Vorgaben sind alle gespielt, Architekt Jürgen Bauer hat eine umfassende und detaillierte Akte über den Vorgang.“ Die Finanzierung steht nach den Worten des Pfarrers, was ihre Bedürfnisse betrifft: „Etwa 450 000 Euro - eher mehr.“ Dringend notwendig sei, das Verfahren nun beschleunigt in Gang zu setzen.

„Die Risse sind wirklich schlimm“, sagt Küsterin Erika Minhöfer, die bereits seit 1971 Kirchenvorsteherin ist. Und: „Seit zehn Jahren warten wir jetzt.“ So lange laufen nach Ihren Worten schon die Zuschussanträge. Die schwierige Situation hat sich im vergangenen Jahr zugespitzt, wie es jüngst im Kirchenvorstand formuliert wurde. „Die Risse sind daumendick und kommen nicht zur Ruhe“, hieß es. Schlimmer noch: Die Risse nehmen zu. Auf der Seite des Turms ist im Vorjahr direkt neben der Orgel ein größeres Stück Putz heruntergefallen. Die Orgel musste mit Brettern geschützt werden. Auf der anderen Seite zieht sich ein dicker Riss quer durch die Wand bis hinauf zum Fenster. Oben drüber hängen die drei Glocken, die bereits seit Ostern 2011 schweigen. Jede auch kleine Erschütterung und Schwingung muss vermieden werden.

Um ein Haar hätte die Konfirmation im Vorjahr in der Felsberger Nikolaikirche gefeiert werden müssen. Auf der Altarseite wurde zwei Tage vorher eine Notsicherung aus Holzbalken eingebaut. „Es kann schneller einstürzen, als uns die Warteschleife der Zuschussanträge auffängt“, formuliert es ein Kirchenvorstandsmitglied.

„Ich bin selbst erschrocken“, sagt Dekan Kirchenrat Rudolf Schulze. Die Schließung des Gotteshauses drohe. Nun solle ein Statiker feststellen, ob die Standfestigkeit noch gewährleistet sei. „Angesichts des gravierenden Schadens müssen so schnell wie möglich mindestens Notmaßnahmen ergriffen werden - dafür setze ich mich bei der Landeskirche ein“, sagte Schulze im HNA-Gespräch. Nach der Notsicherung müsse von der Kirchengemeinde, dem Architekten und der Bauberatung der Landeskirche das detaillierte Sanierungskonzept erarbeitet werden. Schulze: „Ich hoffe, dass die Landeskirche für 2013 Beihilfen zur Verfügung stellt.“

„Ganz viel Geld“, so Schulzes Wunsch, sollte auch durch die Kirchengemeinde eingeworben werden. 6000 Euro stehen bereits zur Verfügung, freut sich Kirchenvorsteherin Jutta Kunz. Der Vorstand der Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger hat ein weiteres Zeichen gesetzt: Alle Einnahmen aus den Gottesdienst-Kollekten fließen künftig in die Kichensanierung in Böddiger. Und die Gemeinde plant weitere Aktionen. (m.s.)

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Quelle: HNA

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