Mehrere hundert Jugendliche und junge Erwachsene

„Rock gegen Raser“ in der Kulturhalle

Wolfhagen. Es ist dunkel in der Kulturhalle. Und fast unheimlich still. An die 600 Schüler der Wilhelm-Filchner-Schule sitzen am Boden, schauen gebannt auf die große Leinwand auf der Bühne. Sie sehen ein Bild von Anika.

Ein hübsches, junges Mädchen. Blondes Haar, ein Lächeln im Gesicht. Doch der Schein trügt. Das Foto hängt an einem schlichten weißen Kreuz, eingerahmt von den Daten 22. März 1986 und 18. November 2003. Annika ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, mit nur 17 Jahren. Ein Unfall, der zu verhindern gewesen wäre.

Zwei Durchgänge

Mike Gerhold weiß wovon er singt, denn er hat selbst einen Freund durch einen Verkehrsunfall verloren. Foto:  Hoffmann

Genau darum geht es bei „Rock gegen Raser“, einer Gemeinschaftsaktion von Polizei, Feuerwehr, Stadtjugendpflege und Wilhelm-Filchner-Schule, die in zwei Durchgängen am Freitag bleibende Eindrücke bei den zahlreichen Besuchern hinterlässt, neben Schülern am Vormittag auch bei zahlreichen weiteren Interessierten am Abend. Ein Thema, das offensichtlich bewegt.

Es ist vor allem die Präsentation „Die letzte Sekunde deines Lebens“, die berührt. Wolfhagens Polizeichef Robert Grau hat sie gemeinsam mit Jürgen Hildenbeutel konzipiert. Der ist nicht nur Hauptkommissar bei der Polizei, sondern auch Fahrsicherheitstrainer und weiß, wovon er spricht. Hildenbeutel erreicht seine Zuhörer über Emotionen. Mit den Schilderungen von so genannten „Disco-Unfällen“ trifft er kurz vorm Wochenende bei seinen Zuhörern genau ins Schwarze.

Eindringlichkeit: Hauptkommissar Jürgen Hildenbeutel erreicht die Zuhörer über Emotionen, sucht immer wieder den Dialog zum Them Alkohol, Drogen und überhöhte Geschwindigkeit. Foto:  Hoffmann

Die Wirkung von Alkohol und Drogen wie Cannabis und Ecstasy auf den menschlichen Körper werden thematisiert, aber auch das richtige Verhalten als Beifahrer. „Nie ins Auto eines alkoholisierten Fahrers steigen, lieber Geld für ein Taxi ausgeben“, rät der Experte. „Die letzte Sekunde“ zeigt in Zeitlupe die Geschehnisse vom Erkennen bei Sekunde 0,8, wenn man die Gewalt über seinen Pkw verloren hat, über die unterschiedlichen Stationen der Deformation des Fahrzeuges und des Brechens der eigenen Knochen, bis hin zur Sekunde 0,0, dem Tod.

Bei den Eindrücken fällt es fast schwer, sich auf die rockigen Teil der Veranstaltung zu konzentrieren. Mike Gerhold, Frontmann der Steven-Stealer-Band, aber weiß sich musikalisch perfekt in das Thema einzufühlen. Er hat selbst vor Jahren einen Freund durch einen Unfall verloren, singt „Knocking on Heavens Door“ an diesem Tag sicher auch für ihn. Am Abend stehen auch die Nachwuchssängerinnen Kathrin Schaake, Viola Eitzenhöfer und Anette Schmand auf der Bühne, die Polizei-Rock-Band „ConActive“ hingegen fehlt, aus „dienstlichen Gründen“. Musik, Emotionen und harte Fakten.

Am Ende ist es wieder still in der Kulturhalle. Die Blicke richten sich auf das Foto von Annika, an einem weißen Kreuz am Straßenrand. Vielleicht müssen in Zukunft weniger dieser Kreuze aufgestellt werden, dann vielleicht auch wegen solch außergewöhnlicher Veranstaltungen.

Quelle: HNA

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