Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs

Röhrenfurther kämpfen für den Stadtbus

Kämpfen für den Bus: Röhrenfurther wollen, dass der Melsunger Stadtbus weiterhin nach Röhrenfurth fährt.

Melsungen. Röhrenfurth wird wohl ab Dezember nicht mehr vom Melsunger Stadtbus angefahren. Jedenfalls soll der Stadtteil nicht in der Ausschreibung der Nahverkehr Schwalm-Eder (NSE) berücksichtigt werden. Dagegen regt sich Widerstand.

Der Gesetzgeber lasse eine parallele Anbindung nicht zu, erklärt dazu Mike Stämmler, Geschäftsführer der NSE. Denn Röhrenfurth soll ab Dezember im Halbstunden-Takt (bisher stündlich) von der Regiotram angefahren werden. Wenn der Stadtbus wegfalle, werde auch das Angebot des Anruf-Sammeltaxis (AST) eingestellt, sagt Stämmler.

Angebote sollen bleiben

Gegen diese Entscheidung protestieren jetzt viele Röhrenfurther. "Die Information kam für uns plötzlich und ist inakzeptabel", sagt Michael Wagner, Röhrenfurths Ortsvorsteher.

Die Regiotram sei aber gerade für die Senioren keine Alternative zum Stadtbus, sagt Wagner weiter. Aus dem Oberdorf wären es 600 Meter bis zur Haltestelle. Mit Einkaufstüten ein beschwerlicher Weg für ältere Menschen. Im Ort gebe es derzeit nur noch einen Getränkehandel und eine Metzgerei.

Kritik regt sich vor allem wegen der angeblichen Ausgaben. Nach Information des Ortsbeirats würde der Anschluss Röhrenfurths 52.000 Euro im Jahr kosten. Der Bus fährt derzeit von Melsungen über Schwarzenberg nach Röhrenfurth. "Nach unserer Rechnung müsste die Stadt nur etwa 10.000 Euro zahlen", sagt Wagner und rechnet vor: Bei fünf Kilometern und sieben Fahrten täglich komme man auf 35 Kilometer. Bei 250 Werktagen mache dies 8750 Kilometer. Der Betriebskostenpreis beträgt laut einer aktuellen Studie etwa 2,80 Euro. Den Kosten von 24.500 Euro stünden Einnahmen von etwa 14.000 Euro gegenüber.

Komfortablerer Schulweg

Für das Geld wären ältere Menschen versorgt, außerdem könnten auswärtige Schüler die Wolfgang-Fleischert-Schule in Röhrenfurth besuchen und die Röhrenfurther Schüler hätten einen komfortableren Schulweg in Melsungen, rechtfertigt Wagner die Ausgabe.

Die Rechnung stimme nicht ganz, hält Stämmler dagegen. Er bestätigt die 52.000 Euro, aber: "Das Geld sparen wir ein, da wir die Melsunger Stadtbusflotte von drei auf zwei Busse reduzieren könnten." Das bedeute weniger Personalkosten und niedrigere andere Ausgaben. Die Ticketeinnahmen könnten auch nicht 1-zu-1 gegengerechnet werden, da ein Teil der Einnahmen beim Nordhessischen Verkehrsverbund landeten.

Eine Lösung könnte es indes am Montag in der Sitzung der Stadtverordneten geben. Ab 19 Uhr wird der Tagesordnungspunkt im Gemeinschaftshaus in Kirchhof verhandelt.

Sammeltaxi erhalten

Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses haben sich bereits dafür ausgesprochen, dass die Stadt auch künftig das Angebot des AST weiterträgt. Das würde bedeuten, dass ältere Menschen auch im Oberdorf abgeholt würden.

Das AST solle nach Aussage von Büroleiter Thomas Garde aber nicht für den Schülertransport zur Verfügung stehen. Es sei mit Kosten in Höhe von etwa 20.000 Euro zu rechnen. Die Stadt müsste dann alle anfallenden Kosten tragen, die NSE würde den Verkehr aber organisieren.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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