Instrumentenbauer restaurierten Truhenorgel

Rohrflöten für die hellen Klangfarben

Restauriert: die Truhenorgel in der Hospitalkapelle. Foto: Dürr

Melsungen. „So ist Musik allzumal die Schönste der Künste“, schrieb Johann Pachelbel einst in seinem Vorwort zu seinen Arien für Tasteninstrumente. Die Aria Quarta daraus interpretierte Bezirkskantor Christian Fraatz am Freitagabend vor geladenen Gästen in der Hospitalkapelle St. Georg auf der gerade restaurierten Truhenorgel.

„In den 60er-Jahren wurden in vielen Orgeln Kuststoffe mit verarbeitet“, sagte Peter Kozeluh von der Orgelbauwerkstatt Rotenburg, als er die Orgel vorstellte. „Folge war, dass viele dieser Orgeln nicht lange überlebt haben.“ Auch die Truhenorgel der Hospitalkapelle stammt aus dieser Zeit.

Nach der über 6000 Euro teuren Restaurierung geblieben sind von ihr das Gerüst, die Tastatur und einige Orgelpfeifen.

Kozeluh stellte die Orgelpfeifen vor, die den Klang ausmachen: Holzpfeifen für Klangfülle, Rohrflöten für helle Klangfarben, sichtbare Orgelpfeifen für strahlenden Klang. Neu hinzugekommen sind Holzprofile, in dunkler Farbe marmoriert, die der Truhenorgel die Strenge nehmen und zwei Türen, die den Schall leiten.

Dann sprach das Instrument selbst: Kozeluh stellte in zwei kurzen Arien von Georg Böhm und Johann Pachelbel die Klangfarben vor. Bezirkskantor Christian Fraatz unternahm eine musikalische Rundreise durch Europa, mit reizenden kleinen Stücken verschiedener Komponisten aus Deutschland, Frankreich, Flamen und Holland. Sein Spiel – nuancenreich, lebhaft und voller Facetten – gab einen Überblick über die Entwicklung der Tastenmusik im Hochbarock, mit einem Ausflug in das Spätmittelalter und die Wiener Klassik: Bei geschlossenen Klangtüren war das heitere Adagio für Glasorgel von Wolfgang Amadeus Mozart zu hören. Die Zuhörer waren begeistert, wie schön Raum und Klang dabei zusammenpassten.

Schließlich setzte sich Orgelbauer Dieter Noeske an das Instrument und begleitete die Anwesenden nach einem improvisierten Vorspiel beim Singen des Liedes „Der Mond ist aufgegangen“.

Spende

Möglich geworden war die Restaurierung durch eine Spende des Ehepaars Dr. Joachim und Dr. Ulrike Schnell. „Ich wünsche mir, dass dieses schöne Instrument oft genutzt wird“, gaben die beiden der Gemeinde mit auf den Weg. In der Hospitalkapelle finden immer wieder Gottesdienste vor allem zu Taufen und Trauungen statt. (zad)

Quelle: HNA

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