Frau verbrachte Kindheit und Jugend in Deutschland

Roma-Paar aus Wolfhager Pommernanlage wird nach Bosnien abgeschoben

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Keine Perspektive: Amra und Albinoruc Mustafic leben in der Wolfhager Pommernanlage und werden in ein paar Tagen nach Bosnien abgeschoben. Foto: Ricken

Wolfhagen. „Wir gelten als faul und kriminell, Roma sind überall unerwünscht", sagt Amra Mustafic. Diese Vorurteile begegne ihr überall. „Dreckszigeuner" sei noch die moderateste Beschimpfung, die sich die Roma anhören müssten.

Sie und ihr Mann sind vor einem knappen Jahr aus Bosnien gekommen und leben in der Asybewerberunterkunft in der Wolfhager Pommernanlage. Die geplante Änderung der Abschiebepraxis für Asylbewerber aus den Balkanstaaten (siehe Hintergrund) hat auf die Zahl der Flüchtlinge in Wolfhagen noch keinen Einfluss. „Die Zahlen sind konstant, im Sommer etwas weniger, im Winter mehr“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Rund 15 Prozent der Asylbewerber in der Pommernanlage kommen aus den Balkanstaaten.

Amra Mustafic ist mit ihrem Mann Albinoruc geflüchtet, weil sie Heimweh nach Deutschland hatte und in Bosnien keine Lebensperspektive sah.

Sie hat ihre Kindheit und Jugendzeit in Deutschland verbracht, damals war Krieg in Bosnien. „Wie im Krieg fühlt man sich auch heute noch. Die Kriminalität ist hoch. Wenn man dort überhaupt eine Arbeit erhält verdient man 100 Euro im Monat. Krankenversorgung gibt es nur für die, die es bezahlen können“, sagt die 25-Jährige. Die Oma ihres Mann sei vergangene Woche gestorben, weil man den Arzt nicht habe bezahlen können.

Amra ist schwanger 

Amra Mustafic ist im sechsten Monat schwanger und wird mit ihrem Mann in ein paar Tagen abgeschoben. Wo das Paar in Bosnien hin soll, wissen sie nicht. Die Hütte, in der sie gelebt haben, ist bei der Flutkatasstrophe im Mai überschwemmt worden, Verwandte haben den beiden ein Foto geschickt.

Die Bosnierin hofft, dass zumindest ihr Kind gesund geboren wird, es ist ein Junge. In Deutschland hat sie jede Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen können.

„Es ist mir peinlich“ 

Damit wird nun Schluss sein. Wie soll es weitergehen? „Es ist mir unglaublich peinlich, aber ich werde in Bosnien betteln gehen müssen“, sagt Amra Mustafic. Bitter fügt sie hinzu: „Nichts anderes erwartet man doch von einer Roma, oder?“

Hintergrund:

Asylbewerber aus mehreren Balkanstaaten sollen in Zukunft schneller wieder in ihre Heimat zurückgeschickt werden. Das Bundeskabinett brachte im Frühling einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg, um Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina als sichere Herkunftsländer einzustufen. Die deutschen Behörden sollen Asylanträge aus diesen Staaten durch eine solche Regelung künftig einfacher abweisen können. Asylverfahren will man verkürzen. Im vergangenen Jahr war fast jeder fünfte Asylantrag, der in Deutschland gestellt wurde, von Bürgern aus den drei Balkanstaaten. Flüchtlingsorganisationen kritisieren das Vorhaben. Pro Asyl zum Beispiel lehnt es ab, Herkunftsländer von Flüchtlingen als per se sicher zu definieren.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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