Oberflächenbeschichter: Roman Holstein machte eine ungewöhnliche Ausbildung

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Rote Plastikbälle gegen die Hitze: Die kleinen roten Bälle sorgen dafür, dass es nicht so stark dampft. Oberflächenbeschichter Roman Holstein taucht Metallstangen in die dampfende Beschichtungsflüssigkeit ein, um sie widerstandsfähig zu machen.

Wolfhagen. Noch immer sind im Agenturbezirk Kassel über 1000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Wir stellen daher Berufe vor, bei denen Bewerber noch eine gute Chance haben, einen Ausbildungsplatz zu finden. Heute beleuchten wir den Beruf Oberflächenbeschichter.

Galvanisierung, Eloxierung und Plasmatechnologie - gekonnt jongliert Oberflächenbeschichter Roman Holstein mit diesen Fachbegriffen, von denen er bis vor einigen Jahren teilweise noch nie gehört hatte. Nach drei Jahren Ausbildung allerdings ist er Profi und wurde im vergangenen Jahr von seinem Ausbildungsbetrieb Koenigsdorf Oberflächentechnik in Wolfhagen übernommen. Gerne würde sein Arbeitgeber weitere junge Menschen in diesem und im verwandten Beruf des Verfahrensmechanikers für Beschichtungstechnik ausbilden. Bei beiden Berufen steht die Beschichtung von Oberflächen mit Hilfe elektro-chemischer Prozesse, wie zum Beispiel die Eloxierung, im Vordergrund. Beschichter sorgen dafür, dass Metallteile widerstandsfähiger, haltbarer und mit einer dekorativen Oberfläche versehen werden.

„Allerdings finden wir niemanden, der diesen Beruf erlernen möchte“, sagt Geschäftsführer Dieter May. Auch in diesem Jahr sei die Suche erfolglos verlaufen, man habe sogar den Ausbildungsbeginn nach hinten, auf den 1. September, verschoben. Voraussetzung, um die beiden Ausbildungen erfolgreich zu absolvieren, sagt May, seien ein Realschulabschluss und gute Noten in Chemie, Mathe und Physik. „Und natürlich Motivation und Durchhaltevermögen“, ergänzt Holstein.

Unbekannter Beruf 

Ausbilder und Auszubildender glauben, dass einer der Gründe für das geringe Interesse die Unbekanntheit der Berufe ist. Die Ausbildung zum Oberflächenbeschichter ist relativ neu, erst seit 2005 gibt es sie. Auch Holstein kannte den Beruf vorher nicht und hat sich trotz Ausbildungsvertrag bei einem anderen Unternehmen und für einen anderen Beruf für die Firma Koenigsdorf entschieden. „Herr May hat mich einfach überzeugt, ich war neugierig, und es klang spannend“, sagt der junge Familienvater schmunzelnd, bereut habe er seine Entscheidung bisher nicht. „Es ist nicht jeden Tag das Gleiche“, sagt Holstein. So überprüft er zum Beispiel im Labor die Zusammensetzung die Elektrolyte der Prozessbäder, ist in der Werkshalle mit der Bedienung der Eloxalanlage beschäftigt oder arbeitet an der Versuchsanlage Plasmatechnologie, bei der eine neue Methode zur Beschichtung von Aluminium- und Magnesiumbauteilen erprobt wird.

Durch die Seltenheit des Berufs ist auch die Anfahrt zum Schulunterricht im Block etwas länger - ausgebildet wird in Schwäbisch-Gmünd. Holstein glaubt, das könne Bewerber abschrecken. Durch die vielen neuen Dinge, die man lerne, seien die elf bis 13 Wochen Unterricht pro Jahr schnell vorbei gewesen und am Wochenende sei er immer nach Hause gefahren.

Seine Übernahme nach abgeschlossener Ausbildung sei kein Einzelfall, eher die Regel. „Es gibt in diesem Beruf zu wenige Fachkräfte“, erklärt Holstein. In vielen Fällen würden die Unternehmen selbst auf die Absolventen zukommen, „die haben uns nach den Abschlussprüfungen quasi aufgelauert“, sagt der 23-Jährige. (ypm)

Hintergrund

Koenigsdorf Oberflächentechnik wurde 1969 von Winfried Koenigsdorf gegründet. Kernaufgabe ist die gütegesicherte Oberflächenveredelung. Weitere Informationen gibt es hier und unter Telefon 05692/98 66 0 oder per E-Mail unter: info@koenigsdorf.de. (nni)

Quelle: HNA

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